TV-Duell
Kommentar: Doppelwahlkampf

Uff. Nun haben wir auch das letzte der großen TV-Duelle hinter uns gebracht - und das Fazit der Debatte in der Runde der Spitzenkandidaten ist dasselbe wie schon nach dem TV-Duell: Die Wahlbürger erleben im Grunde einen Doppelwahlkampf, wann immer die beiden Spitzenkandidaten von Union und SPD aufeinander treffen.

HB/ink BERLIN. Auf der einen Seite versucht Angela Merkel mit einem Programm zu punkten. Auf der anderen Seite wirbt Bundeskanzler Gerhard Schröder vor allem mit seiner Person. Und wie schon beim ersten TV-Duell bestätigte sich auch diesmal: Das Medium Fernsehen hilft stets denen, die stark personalisieren können.

Eine Trendumkehr hat die Sechser-Runde also nicht gebracht. Offenbar ist die mediale Stärke des Kanzlers immer noch so groß, dass sie bisher unentschlossene Zuschauer einen entscheidenden Punkt vergessen lässt: Schröder reißt die SPD in den Umfragen nach oben, obwohl er selbst nach dem 18. September wahrscheinlich keine Rolle mehr spielen wird. Denn Kanzler könnte er nur in dem sehr unwahrscheinlichen Fall bleiben, dass es eine rot-grüne Mehrheit gibt oder die SPD besser als die Union abschneidet.

Doch Merkel kann dies nicht zum Angriff nutzen - weder in TV-Duellen noch außerhalb der Fernsehstudios. In der Kandidaten-Runde versuchte ihr der bayerischer Ministerpräsident und Ex-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber zudem die Schau zu stehlen. Und während sie tapfer weiter beteuert, im Falle eines Wahlsieges Paul Kirchhof zum Finanzminister machen zu wollen, formieren sich längst neue Fronten: Eine Schar von Unions-Granden fordert, dass Friedrich Merz eine "führende Rolle" in einer unionsgeführten Regierung erhalten solle. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde.

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