TV-Duell
Sieg ohne Bedeutung

Es ist kurz nach acht am Sonntagabend. Etwa 80 Menschen haben sich auf dem Laurentiusplatz in der Wuppertaler Innenstadt versammelt. Sie sitzen an den Tischen des Cafe "Laurenz" und blicken auf eine vier mal drei Meter großen Videoleinwand, die sonst nur bei wichtigen Fußballspielen aufgebaut wird. An diesem Abend erwartete die Zuschauer ein ganz besonderes Duell: Rot spielt gegen Schwarz, Kanzler gegen Kanzlerkandidatin.

WUPPERTAL. Bei den Zuschauern sind die Sympathien klar verteilt. Sie stehen auf der Seite des Titelverteidigers - kein Wunder, hat doch der SPD-Ortsverein Elberfeld die Veranstaltung organisiert. Mit dabei ist auch der Bundestagsabgeordnete Manfred Zöllmer, der sein Direktmandat im Wahlkreis Wuppertal verteidigen möchte. "Ich hoffe, dass jeder sieht, dass Schröder die besseren Argumente hat", sagt er. Um halb neun wird die Partie angepfiffen.

Gleich zu Beginn der Debatte müssen die SPD-Anhänger mit ansehen, wie ihr Kandidat unter Druck gerät. Fragen zur Ökosteuer und zum Benzinpreis drängen Schröder in die Defensive. Beim Versuch, den Anteil der Ökosteuer am Benzinpreis zu erklären, verzettelt sich der Bundeskanzler und bringt Cent und Prozent durcheinander.

Die Zuschauer auf dem Laurentiusplatz schütteln mit den Köpfen. Sie spüren die Unsicherheit ihres Spitzenkandidaten, von dessen Auftritt so viel für sie abhängt. Denn seit 2004 hat die SPD vor Ort zwei wichtige Wahlen verloren. Zuerst musste sie das Bürgermeisteramt an die CDU abtreten, dann verlor sie bei den Landtagswahlen im Mai auch noch das Direktmandat. Das gleiche Schicksal droht nun Manfred Zöllmer, ihrem Abgeordneten in Berlin.

Nach einer halben Stunde befreit sich Schröder aus der Enge. Das Steuer-Thema liefert ihm die Vorlage für einen Angriff auf Merkel. Er bezeichnet das Konzept der Union als unsozial und nicht finanzierbar. Seine Attacke auf den "Professor aus Heidelberg" honorieren die Zuschauer auf dem Laurentiusplatz mit Beifall und Gelächter.

So brisant wie in diesen Minuten wird die Debatte später nur noch selten. Schröder betont immer wieder den Erfolg seiner Reformen, seine Verdienste für den Frieden und für die europäische Integration. Merkel kontert mit dem Verweis auf die katastrophale Bilanz von sieben Jahren rot-grüner Regierung: Rekordarbeitslosigkeit, höchstes Haushaltsdefizit und niedrigstes Wirtschaftswachstum in Europa.

In der letzten halben Stunde verflacht die Debatte immer mehr: Schröder und Merkel spielen auf Zeit. Auch die Zuschauer in Wuppertal spüren, wie schwer es den Schiedsrichtern fällt, das Duell in den Griff zu bekommen.

Nach neunzig Minuten pfeifen die Unparteiischen ab. Die Spielanteile der Kontrahenten waren ausgeglichen verteilt. Die Frage nach dem Sieger des Duells ist für die SPD-Anhänger eindeutig: "Schröder hat mit großem Abstand gewonnen", meint Zöllmer. Er glaubt, dass der Auftritt des Kanzlers in der Endabrechnung ein "paar Prozentpunkte" mehr bringen werde. Von einem Gewinn der Meisterschaft spricht an diesem Abend jedoch niemand.

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