TV-Kritik
Illner bringt Steinbrück nicht aus der Fassung

Solo-Aufritt für Peer Steinbrück: Maybritt Illner fühlte dem SPD-Kanzlerkandidaten in ihrer ZDF-Talkshow auf den Zahn. Doch der ließ sich in der zähen Sendung nicht provozieren und zeigte sich am Ende sogar kanzlerhaft.
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Ganz am Ende ihrer einstündigen Sendung mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück als einzigem Gast zündete Maybrit Illner ein Feuerwerk von schnellen Fragen, die teilweise lustig gemeint waren („Von Bayern München kann die SPD noch viel lernen?“) und über die zumindest sie selbst ins Lachen geriet. In anderen dieser späten Fragen ging es um große Politik, also das, was Steinbrück, falls er Kanzler werden sollte, maßgeblich entscheiden müsste. Ob die Türkei reif für die EU ist und was vom amerikanischen Datenausspäh-Programm PRISM zu halten sei. Dummerweise war zu diesem spannenden Zeitpunkt die Sendung schon fast vorbei. Steinbrück sollte zügig und kurz antworten. Auf die Türkei-Frage gab er nach längerem Schweigen jedoch ausdrücklich „keine kurze Antwort“ – und zeigte sich insofern tatsächlich kanzlerhaft.

Was sich in der vorhergegangen knappen Stunde abgespielt hatte, war ein zähes Gespräch. Moderatorin Maybrit Illner zeigte sich enorm angriffslustig und schien sich zum Ziel gesetzt zu haben, Steinbrück in mindestens eines der Fettnäpfchen zu locken oder drängen, an denen seine Kanzlerkandidaten-Karriere bekanntlich relativ reich ist. Sie hatte eine Menge älterer Zitate Steinbrücks parat („Dazu haben Sie mal den schönen Satz gesagt...“) und stellte überraschende Fragen („Mögen Sie eigentlich 'Zurück in die Zukunft'?“, / „Jetzt wäre Zeit für einen freundlichen Satz zu Claudia Roth“). Zwischendurch wurden Umfrageergebnisse eingeblendet, die für die SPD schlecht aussahen; immer wieder wurde im Studiohintergrund Steinbrücks sorgenvolles Gesicht überlebensgroß eingeblendet.

Der Ausgang dieses Spiels: Steinbrück blieb ruhig und entspannt und machte gute, nur manchmal etwas bärbeißige Miene zum durchschaubaren Spiel. Nachdem er nach den Steuerplänen der Grünen gefragt worden war, dem mutmaßlichen Koalitionspartner der SPD im Falle eines Wahlsiegs, folgte als nächstes Gesprächsthema Steinbrücks „Krisenmanagement“ zu dem Zeitpunkt, als das überhöhte Redehonorar bekannt wurde, das ihm die verschuldeten Bochumer Stadtwerke gezahlt hatten.

Steinbrück beklagte die „unfaire Darstellung“ des Einspielfilmchens, mit dem Illner zu diesem Thema übergeleitet hatte. Deutlich wurde allein eines: 100 Tage vor der Bundestagswahl ist weniges derart gleichgültig wie das Krisenmanagement eines der Kandidaten in einem längst ausdiskutierten und bundespolitisch eher marginalen Fall vom Ende des vergangenen Jahres. Lieber hätte man etwas über Steinbrücks Europa- und Euro-Visionen erfahren, um die es erst in der letzten Viertelstunde ging, oder über seine Haltung zu Bundeswehr-Drohnen.

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  • ÖFFENTLICHE RECHTE POLITTALKS -SELBSTDARSTELLUNG FÜR LINKE UND GRÜNE


    Die Polit-Talkrunden im öffentlichen Rundfunk sind zu einer eiinzigen Selbstbewerbungsplattform für die etablierten Parteien - ganz besonders Rote und Grüne geworden. Roth, Künast, Tritin, oder Volker Beck oder Gysi immer wieder werden die gleichen ins Studie geladen.


    Funktionäre nicht-etablierter Parteien, oder zumindest konservative Zeitgenossen und Journalisten werden gar nicht ins Studio geladen. So leisten die Talkrunden ihm öffentlich.rechtlichen Fernsehen ihren Beitrag dazu, um die Macht der etablierten Parteien zu sicheren.

  • Mal ganz ehrlich, was SPD tun will weiß man. Was CDU/CSU nicht getan hat auch. Dann ist es doch besser wenn ein wenig getan wird, als wie unter CDU/CSU nämlich nichts.
    SPD und Agenda 2010 schlecht reden kann jeder, nur warum hat Frau Merkel nichts getan um daran Änderungen zu machen.
    Hat die CDU/CSU überhaupt schon einen Plan, was sich nach einem erneuten Wahlsieg ändern wird.
    In der EU Politik wird es wohl für CDU/CSU oder SPD keinen Weg zurück geben.

  • Die EU ist auf dem besten Weg, Europa zu zerfleischen. Die friedliche Periode rechte bis zur Gründung der EU, sie funktionierte sehr gut mit der EWG. Seit dem Euro geht es spürbar bergab für den Normalbürger bei uns und radikal bergab für die Südstaaten. Das ist Wirtschfts-Krieg.

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