TV-Streitgespräch
„Herr Fischer und ich - und ich vorneweg“

Beim Fernseh-Streitgespräch der Polit-Schwergewichte kämpfen Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine Herausforderin Angela Merkel mit Sekundanten und mit Zwischenrufern. Und zwei Journalisten mühten sich redlich, die Runde vor anarchischen Verhältnissen zu bewahren.

BERLIN. Eigentlich hatte Alois Theisen, der Chefredakteur des Hessischen Rundfunks, "Fernsehen der klassischen Art" angekündigt: "Also Diskussion und Information pur." Doch schon nach wenigen Minuten bot das "Kreuzverhör" der Spitzenpolitiker einige durchaus unterhaltsame Szenen. Wie sonst sollte man es nennen, wenn ausgerechnet der Spaßpolitiker a. D. Guido Westerwelle seine Kontrahenten ermahnt, es gehe "nicht darum, wer die besseren Witzchen und Pointen macht".

Gregor Gysi wippte derweil auf seinem Stuhl: "Veränderung beginnt mit Opposition", verkündete er vergnügt und stieß dabei ein glucksendes "Hu!" aus: "Das sind wir!" Schauspielerisch groß in Form war auch der Kanzler, der Angela Merkels Vorwurf, er sei in "unwürdige Polemik" verfallen, mit einem Gesichtsausdruck voller Ironie und geheuchelter Betroffenheit kommentierte.

In der Sache nichts Neues

Es waren solche Momente, die die anderthalbstündige TV-Debatte der Spitzenkandidaten am Montagabend für den Zuschauer erträglich machten. Denn in der Sache gab es nach wochenlangem Wahlkampf und unzähligen Auftritten der Polit-Matadore eigentlich nichts Neues zu verkünden: Gerhard Schröder will Kanzler bleiben. CDU-Chefin Merkel ist trotz kletternder Umfragewerte der SPD sicher, dass ihm das nicht gelingt. FDP-Chef Westerwelle will nur mit der Union, keinesfalls aber mit den Grünen koalieren. Außenminister Joschka Fischer mag Westerwelle mindestens ebenso wenig, schließt eine rot-grüne Ampel mit den Liberalen aber nicht kategorisch aus. Die Linkspartei will erst dann in einer Regierung mitarbeiten, wenn die SPD von Oskar Lafontaine geführt wird.

Die ARD hatte den Schlagabtausch als "Rückspiel" für das Duell von Schröder und Merkel angekündigt, was ein wenig in die Irre leitete. Zwar saßen dieses Mal insgesamt acht Teilnehmer in der Diskussionsrunde, doch war das Verhältnis zwischen Politikern und Moderatoren erfreulicherweise anders aufgeteilt als bei der Zwei-plus-vier-Begegnung eine Woche zuvor: Nur zwei Journalisten mühten sich redlich, die Streitlust von sechs Politikern halbwegs zu domestizieren. Das sorgte für emotionsreiche Lebendigkeit, die freilich bisweilen in anarchischen Verhältnissen bei der Zuteilung des Frage- oder Antwortrechts gipfelte.

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