UBS-Chef Peter Wuffli
Musterknabe mit dunklem Geheimnis

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Nach außen hat er stets alles richtig gemacht: Peter Wuffli, Chef der UBS, des größten Vermögensverwalters der Welt. Stets eilte die Bank unter seiner Führung von Rekordjahr zu Rekordjahr und erreichte Größenordnungen, in denen ihr Fehler – wie hier mal eine Millionenklage und da mal ein Verlust im Investmentbanking – scheinbar wenig anhaben konnten. Doch der Schein war trügerisch. Die Fassade ist in der Nacht zu Freitag um 0.49 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit eingebrochen. „Wechsel an der operativen Führungsspitze der UBS“ heißt die Meldung, die die Bank zu dieser Zeit versandte.

Der Zeitpunkt spricht dafür, dass die Schweizer Bank mit der Terminierung vor allem den US-Markt im Auge hatte, dessen Feierabend sie abwarten wollte. Die Meldung sollte zumindest für diesen Tag jenen Markt nicht zusätzlich verunsichern, der unter Wufflis Führung am meisten aus dem Ruder gelaufen ist. Zwei Jahre ist es her, dass Wuffli auf einen Vorschlag seines damaligen Stellvertreters, des Investment-Banking-Chefs John Costas, einging und einen eigenen Hedge-Fonds gründete. „Dillon Read Capital Management“ nannte sich das Vehikel, das die UBS in den USA endlich voranbringen sollte. Denn dort weist sie im Investmentbanking im Vergleich zur Konkurrenz Schwächen auf; sogar in ihrer Paradedisziplin Vermögensverwaltung erzielt sie keine Glanzresultate.

Geheimniskrämerei

Anderthalb Jahre nach dem furiosen Start kam allerdings das Aus für den Hedge-Fonds. Vor allem mit amerikanischen Subprime Loans, also spekulativen Hypothekenpapieren, hatte der Fonds 150 Mill. Dollar Verlust eingefahren. Weitere 300 Mill. Dollar kostete die Auflösung des Fonds, zwei Drittel davon fielen auf Abgangsentschädigungen für die hoch bezahlten Mitarbeiter. Wieviel tatsächlich am Ende abgeschrieben werden muss und welche Prozessrisiken in den USA noch lauern, hat die Bank bis heute nicht bekannt gegeben. Sie wird nun bei ihrer Halbjahresbilanz am 14. August die Hosen runter lassen müssen.

Es gibt Indizien, die dafür sprechen, dass der Verlust höher ausgefallen ist als bisher mitgeteilt. So hat die UBS in den vergangenen Wochen mit Hochdruck darauf hingearbeitet, ihre Beteiligung an der drittgrößten Schweizer Bank Julius Bär loszuwerden. Sie hat dabei hingenommen, keinen Großinvestor zu finden, sondern das 20-Prozent-Paket in Stücken an mehrere Investoren zu verkaufen. So entging ihr der Paketzuschlag. Dennoch war der Gewinn, den sie nach zwei Jahren Eigentümerschaft an Julius Bär einstreichen konnte, mit rund 1,3 Mrd. Euro ordentlich. Angeblich drang sie darauf, dass das Geld sofort fließt. Optisch läßt sich dadurch ein möglicher Verlust in den USA kaschieren.

Dass eigentlich Investment-Banking-Chef Costas oder dessen Nachfolger Huw Jenkins die unmittelbar Schuldigen sind, konnte Wuffli am Ende nicht retten. Schließlich ist es immer der Chef, der Entscheidungen unterschreibt. Tatsächlich ist es auch immer der Chef, der die Notbremse ziehen muss. Im Fall „Dillon Read“ hat Wuffli das nicht schnell genug getan. Schlimmer ist, dass das Debakel um „Dillon Read“ für ein US-Geschäft steht, das längst nicht so blüht, wie es bei einer global aufgestellten Bank sein sollte. Dafür bezahlt Wuffli, der einstige Musterknabe, jetzt mit seinem vorzeitigen Abgang.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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