UBS
Erbaut, erhalten und versoffen

Der erste erbaut’s, der zweite erhält’s, der dritte versäuft’s: Der Wahlzürcher Thomas Mann hat diese Erbfolge bei Unternehmen in seinem Roman „Buddenbrooks“ mustergültig beschrieben. In der UBS wird gerade an einer Konkurrenzfassung zu dem Bestseller geschrieben.
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Der erste erbaut's, der zweite erhält's, der dritte versäuft's. Der Wahlzürcher Thomas Mann hat diese Erbfolge bei Unternehmen in seinem Roman "Buddenbrooks" mustergültig beschrieben. In der UBS wird gerade an einer Konkurrenzfassung zu dem Bestseller geschrieben. Heute hat die Bank ihre Zahlen vorgelegt. Die Highlights lauten: weitere Milliardenabschreibungen, Quartalsverlust, neues Spitzenpersonal, ungewisse Zukunft. Der Erbfolgeprozess gewinnt damit jedenfalls an Dynamik.

Errichtet hat Marcel Ospel den Konzern, als er an dessen Gründung vor zehn Jahren mitwirkte. Er hat ihn ausgebaut, in dem er in den USA den Vermögensverwalter Paine Webber kaufte, und alles unternahm, damit die Investmentabteilung der Bank in der obersten Liga mitspielte. Ospel ist "der Architekt der modernen UBS", sagte sein Nachfolger Peter Kurer bei Amtsantritt als Verwaltungsratspräsident. Heute, ein Vierteljahr später, klingt er anders: "Die Kultur der UBS wird sich ändern", stellt er fest.

Offenbar treibt Kurer die Einsicht um, dass die Erhaltung der UBS-Architektur mehr verschlingt, als die Bank womöglich aufbringen kann: mehr als 40 Milliarden Franken Abschreibungen sind es nun insgesamt. Seit einer Einigung in den USA vom Wochenende kommen 19 Milliarden Dollar für Wertpapiere dazu, für die es im Moment keinen rechten Markt gibt. Außerdem: US-Behörden und die EU machen Druck auf das Bankgeheimnis und haben sich dabei auf die UBS eingeschossen. Vor diesem Hintergrund beginnt der Ospel-Nachfolger mit einem zaghaften Umbau der Bank, feilt hier ein bisschen an der Strategie, senkt dort die Kosten. Doch das reicht nicht. Längst überfällig sind radikale Schritte. Die Abspaltung der Investmentbank darf kein Tabu mehr sein. Der Verkauf der US-Vermögensverwaltung auch nicht. Ansonsten kann es passieren, dass die UBS schon in der zweiten Generation am Ende ist. Ihre Fassung von den "Buddenbrooks" wäre eine für den schnellen Leser.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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