UBS
Kommentar: Herr Präsident belieben zu scherzen

Nein, das ist kein Aprilscherz: „Die wichtigsten drückenden Probleme sind gelöst. Ich betrachte meinen Beitrag als geleistet“, sagt der Noch-Präsident der Schweizer Großbank UBS Marcel Ospel heute morgen und kündigt an, nicht ein weiteres Mal für den Posten zu kandidieren. Im Ernst sieht die Lage anders aus.
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Nein, das ist kein Aprilscherz: „Die wichtigsten drückenden Probleme sind gelöst. Ich betrachte meinen Beitrag als geleistet“, sagt der Noch-Präsident der Schweizer Großbank UBS Marcel Ospel heute morgen und kündigt an, nicht ein weiteres Mal für den Posten zu kandidieren. Im Ernst sieht die Lage anders aus: 7,6 Mrd. Euro Verlust im ersten Quartal, 19 Mrd. Dollar noch mal abgeschrieben und jede Menge Fragen offen. Vor diesem Hintergrund besteht kein Zweifel daran, dass Ospel nicht länger zu halten war. Die drückenden Problem hat er jedenfalls nicht gelöst.

Problem Nummer eins sind die mehr als 30 Mrd. Dollar, die die Bank nach wie vor im Feuer liegen hat. Die Hälfte davon steckt direkt in den berüchtigten US-Schrottimmobilien, die anderen in ehemals gut gerateteten Wertpapieren, deren Benotung sich aber als völlig abwegig herausgestellt hat.

Problem Nummer zwei ist der Geldabfluss im Kernbereich der Bank, der Vermögensverwaltung. Schweizer Kunden, die eigentlich zu den treuesten Fans der UBS zählen müssten, tragen ihr Geld inzwischen lieber anderswo hin. Und das Vermögen institutioneller Anleger ist ebenfalls geschrumpft. Wenn das Nachahmereffekte auslöst, wenn der Kundenexodus übergreift, ist die UBs die längste Zeit der weltgrößte Vermögensverwalter gewesen.

Problem Nummer drei ist die neuerliche Kapitalerhöhung, ohne die die Bank mit ihrer Eigenkapitalausstattung voraussichtlich wieder unter jene Grenze fallen würde, die sie selbst für noch erträglich hält. Ihr müssen die Aktionäre, deren Einsatz in den vergangenen Monaten zu Dreivierteln vernichtet worden ist, zustimmen. Ob sie dem schlechten Geld noch gutes hinterherwerfen wollen, steht in den Sternen.

Problem Nummer vier ist Ospels Nachfolger Peter Kurer. Der Wirtschaftsanwalt wird von Ospel selbst als „Wunschkandidat in der heutigen Situation“ bezeichnet. Damit ist klar: Morgen kann ein neuer kommen. Kurer, der als Banker nie aufgefallen ist, ist im besten Fall ein Verwalter.

Im für die UBS schlimmsten Fall ist er ein Abwickler, der die Reste zusammenhält, bis ein neuer Besitzer die einst so stolze Bank in seinen Händen hält.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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