UBS
Kommentar: Lasst den Hausarzt ran!

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Hätte, dürfte, wäre, könnte. Hätte die UBS nicht auf Teufel komm raus ihre Investmentsparte vorantreiben wollen, dürfte das Entsetzen heute geringer ausfallen, weil dann das Ergebniss für das vergangene Jahr deutlich besser gewesen wäre, und die Bank einen zuversichtlicheren Blick in die Zukunft wagen könnte.

Allerdings ist es natürlich müßig, sich darüber zu unterhalten, was in der Vergangenheit alles schief gelaufen ist. Beim Blick nach vorn jedoch fällt auf, dass die Schweizer Großbank, die unter den Folgen der Finanzmarktkrise stärker leidet als jedes andere Institut in Europa, nun an allerhand Schräubchen dreht, um das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Das Ruder aber wirft sie nicht herum. Damit setzt sie ihre Zukunft aufs Spiel.

Die UBS hält an ihrem Geschäftsmodell fest, das eine Investmentbank und die Vermögensverwaltung für reiche private und institutionelle Kunden unter einem Dach vereint. Alle die, die eine Trennung dieser Geschäftsbereiche fordern, werden mit dem Verweis auf Synergien zwischen beiden Geschäftsfeldern abgefertigt. Dass Synergien in diesem Fall zu den hätte-dürfte-wäre-könnte-Rechnungen gehören, weil niemand wirklich weiß, wie die Geschäftsbereiche sich getrennt entwickeln würden, lässt die Bank dabei gerne unerwähnt. Die harten Fakten sprechen eine andere Sprache: Der satte sechs Mrd. Euro Gewinn aus der privaten Vermögensverwaltung wird durch einen happigen Verlust von 10 Mrd. Euro im Investmentbereich vernichtet.

Damit wird deutlich: Die UBS gehört nicht zu denen, denen es gelingt, ihr Geschäftsmodell durch schwierige Zeiten zu retten. Die Mentalitäten sind zu unterschiedlich. Der Investmentbanker ist der Chirurg, der eine Operation mit dem Messer vornimmt und den Patienten vorher und nachher nicht zu Gesicht bekommt. Der Vermögensverwalter ist dagegen der Hausarzt, der seine Patienten ein Leben lang begleitet. In der UBS sind beide Mentalitäten besonders ausgeprägt. Heilung gelingt nur, wenn sich beide Seiten annähern, was bislang schief gegangen ist. Die Alternative ist: beide Bereiche ein für alle Mal zu trennen. Solange die Bank davon nichts wissen will, behält sie ihr Problem.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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