UBS
Kommentar: Prinz gesucht!

Das Drama nimmt seinen Lauf, bis der Vorhang fällt. Wir befinden uns schätzungsweise nach der Pause und die Situation wird immer auswegloser: Die Verluste, die die Schweizer Großbank UBS eingefahren hat, sind nicht nur deutlich höher als erwartet, sie stecken auch voller Tücken.
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Das Drama nimmt seinen Lauf, bis der Vorhang fällt. Wir befinden uns schätzungsweise nach der Pause und die Situation wird immer auswegloser: Die Verluste, die die Schweizer Großbank UBS eingefahren hat, sind nicht nur deutlich höher als erwartet, sie stecken auch voller Tücken.

So gibt die UBS eine Kernkapitalquote von 8,8 Prozent bekannt, was für einen Vermögensvewalter bitter wenig ist und knapp über dem vorgeschriebenen Wert der Aufsichtsbehörde liegt. Bei so dünnen Eigenmitteln drehen jedoch jene sensiblen Kunden, auf die es bei Vermögensverwaltern vom Schlage der UBS ankommt, der Bank den Rücken zu.

Die UBS ahnt das und hat deswegen eine Kapitalerhöhung angekündigt, bei der zwei Investoren – einer aus Singapur, der anderen vermutlich aus Saudi Arabien – zu einem bereits ausgehandelten Preis einsteigen werden. Über deren Einstieg müssen die Aktionäre noch auf einem außerordentlichen Treffen entscheiden. Die überraschende Präsentation der Zahlen heute morgen, dient dazu, den Aktionären klar zu machen, dass es in dieser brenzligen Situation keinen anderen Ausweg gibt, als zuzustimmen.

Dass die bisherigen Eigentümer glücklich darüber sein werden, dass mit einem Staatsfonds aus Singapur Vertreter des größten Konkurrenten des Finanzplatzes Schweiz bei der UBS einziehen, glaubt dennoch niemand im Ernst. Damit ist es keine Frage: Der Tag des Aktionärstreffens Ende Februar wird der Höhepunkt des Spektakels sein.

Die zweite Tücke, die den weiteren Verlauf des Dramas bis dahin spannend macht, besteht darin, dass die Bank immer noch vergiftete Positionen in ihrer Bilanz hält. 29 Mrd. Dollar waren es Mitte Dezember. Davon hat sie allenfalls erst die Hälfte abgeschrieben. Da die Zeichen in den USA nicht auf Entspannung stehen, ist es gut möglich, dass die Bank noch mehr Milliarden in den Sand setzt. Dann geht es um Sein oder nicht Sein.

Apropos Hamlet. In Shakespeares Klassiker sind am Ende alle tot und ein neuer Prinz zieht über die Bühne. Bei der UBS haben noch immer einige im Amt überlebt, die für das Drama verantwortlich sind. Dass das Publikum ihnen applaudiert, ist unwahrscheinlich. Wenn sie dennoch im Amt bleiben, dann nur, weil neue Prinzen im wirklichen Leben eben rar gesät sind.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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