UBS
Kurzes Drama

Die Schweizer Großbank UBS hat mit ihrem überraschenden Führungswechsel gezeigt, wo ihr wahres Machtzentrum liegt: im Verwaltungsrat.
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Zehn Herren und eine Dame haben dort gegen den Wunsch ihres Präsidenten entschieden, der so vorgehen wollte, wie es bislang immer gelaufen war.UBS-Präsident Marcel Ospel wollte sich mit Ende 50 zurückziehen, und der knapp zehn Jahre jüngere Bankchef Peter Wuffli sollte ihn beerben. Als Generationswechsel wollten beide diese Nachrückoperation verkaufen. Daraus wird nun nichts. Das Gremium hat entschieden, dass Ospel bleiben muss. Wuffli hat das zu Recht als Misstrauensantrag verstanden und konsequenterweise gekündigt. Sein Stellvertreter rückt nun an die Spitze. Bravo.

Die Bank und ihr Aufsichtsgremium, in dem Schwergewichte wie Fiat-Chef Sergio Marchionne und der Shell-Finanzvorstand Peter Voser sitzen, haben einen weit verbreiteten Automatismus unterbrochen. Der hat nicht nur in Schweizer Großunternehmen, sondern auch in einigen deutschen schon zu krassen Fehlentscheidungen geführt.

Der jüngste Vorgang dieser Art in der Bundesrepublik war bei Siemens zu besichtigen. Dort rückte mit Heinrich von Pierer ein ehemaliger Konzernchef an die Spitze des Aufsichtsgremiums, der die Erneuerung an Haupt und Gliedern, die der Konzern vollziehen musste, beunruhigend lange verzögert hatte. Auch bei VW hat man es so gehalten – mit dem Erfolg, dass mit Ferdinand Piëch der wahre Herr im Hause nach seinem Wechsel in den Aufsichtsrat der alte blieb.

Dieses Drama mit zu vielen Akten hat sich die größte Schweizer Bank erspart. Deswegen noch mal: Bravo. Dass so ein abrupter Wechsel auch Ungerechtigkeiten in sich birgt, liegt in der Natur der Sache: Unter Wufflis Ägide hat UBS sich nach vorne entwickelt, ist von einem frisch fusionierten Bankkonzern mit ungewisser Zukunft zu einer festen Größe in der ersten Liga der internationalen Bankkonzerne aufgestiegen. Der Kurs der Aktie hat sich in Dollar gerechnet unter seiner Führung innerhalb von fünf Jahren verdreifacht – ein Kunststück, das auf diese Frist gesehen den wenigsten Konkurrenten geglückt ist.

Die Marke UBS ist so gut positioniert wie kaum eine andere. Und die Strategie stimmt: Die stetigen Einnahmen aus der Vermögensverwaltung bilden den Grundton, auf dem volatilere Geschäfte wie das Investment-Banking die Melodie spielen können, ohne bei Problemen das Ergebnis jemals komplett zu verhageln. Wuffli hat diese Strategie geprägt mit der ihm eigenen Unaufgeregtheit und Beständigkeit. Sein Nachfolger Marcel Rohner wird keinen Millimeter von ihr abweichen.

Allerdings war Wuffli in den vergangenen Monaten etwas zu unaufgeregt. Dass seine Hand zu lange ruhig blieb, Entscheidungen zu lange auf sich warten ließen, dürfte die zehn Herren und eine Dame des Verwaltungsrats bewogen haben, ihn einstimmig zu demontieren, indem sie der geplanten Rochade zwischen Wuffli und Ospel eben nicht zustimmten.

Zwei Jahre ist es her, dass Wuffli auf einen Vorschlag seines damaligen Stellvertreters, des Investment-Banking-Chefs John Costas, einging und einen eigenen Hedge-Fonds gründete. „Dillon Read Capital Management“ nannte sich das Vehikel, das die UBS in den USA endlich voranbringen sollte. Dort agierte sie bis dahin im Investment-Banking im Vergleich zur Konkurrenz risikoscheuer und verdiente schlechter. Nicht einmal in ihrer Paradedisziplin, der Vermögensverwaltung, erzielte sie Glanzresultate.

Anderthalb Jahre nach dem furiosen Start kam allerdings bereits das Aus: Vor allem mit spekulativen Hypothekenpapieren hatte der Fonds 150 Mill. Dollar Verlust eingefahren. Weitere 300 Mill. Dollar kostete seine Auflösung, zwei Drittel davon fielen auf Abfindungen für die hoch bezahlten Mitarbeiter. Wie viel tatsächlich am Ende abgeschrieben werden muss und welche Prozessrisiken in den USA noch lauern, hat die Bank bis heute nicht bekannt gegeben. Sie wird bei ihrer Halbjahresbilanz am 14. August die Hosen runterlassen müssen.

Manche Indizien sprechen dafür, dass der Verlust höher ausgefallen ist als bisher mitgeteilt. So hat die UBS in den vergangenen Wochen mit Hochdruck darauf hingearbeitet, ihre Beteiligung an der drittgrößten Schweizer Bank Julius Bär loszuwerden. Sie hat dabei hingenommen, keinen Großinvestor zu finden, sondern das 20-Prozent-Paket in Stücken an mehrere Investoren zu verkaufen. Einen Paketzuschlag verpasste sie dadurch. Mit dem immer noch üppigen Gewinn dürfte sich allerdings optisch ein möglicher Verlust in den USA kaschieren lassen.

Solche Vorgänge nicht einfach abzunicken ist Aufgabe des Kontrollgremiums. Das der UBS ist dem Anspruch gerecht geworden.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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