Übernahmekampf um ABN Amro
Die nächste Wendung kommt bestimmt

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Die niederländische Bank ABN Amro hat in ihrem Abwehrkampf gegen eine feindliche Übernahme einen wichtigen Teilerfolg errungen. Sie darf ihre US-Tochter La Salle auch ohne Zustimmung ihrer Aktionäre verkaufen. Das entschied am Freitag das oberste Gericht der Niederlande.

Damit kommt ABN Amro der erhofften Fusion mit der britischen Bank Barclays einen großen Schritt näher. Der Verkauf von La Salle ist dafür eine wichtige Vorbedingung. Anteilseigner von ABN Amro hatten jedoch gegen die Abspaltung des US-Geschäfts geklagt. Sie würden lieber das Angebot eines Konsortiums um die Royal Bank of Scotland (RBS) annehmen, das 72 Mrd. Euro für ABN auf den Tisch legen will statt nur 63 Mrd. wie Barclays. Allerdings will die RBS-Gruppe im Gegensatz zu Barclays ABN inklusive La Salle übernehmen.

Nach dem Urteil der obersten Richter hat Barclays sicherlich Oberwasser, aber eine Entscheidung im größten Übernahmekampf der Finanzgeschichte ist damit noch lange nicht gefallen. Die Bietergruppe um die RBS hat bereits durchsickern lassen, dass sie jetzt ein neues Angebot auf den Tisch legen will – dieses Mal ohne La Salle.

Tatsächlich räumen die meisten Analysten den Schotten nach wie vor die besseren Chancen im Übernahmekampf ein. Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die neue RBS-Offerte, so sie denn tatsächlich kommt, finanziell attraktiver sein wird als das Angebot von Barclays. Und Barclays wird große Probleme haben, seine Offerte noch einmal aufzustocken. Die Bank hat ihren finanziellen Spielraum ziemlich ausgereizt und hat sich bereits Ärger mit einem Hedge-Fonds eingefangen, der die Bank zwingen will, die Übernahme ganz aufzugeben, weil sie Wert vernichte.

Freie Bahn als für das RBS-Konsortium? Nicht unbedingt. Auch den Schotten droht Ärger mit ihren Aktionären, die Bankchef Fred Goodwin einige teure Übernahmen der Vergangenheit noch immer nicht verziehen haben. Außerdem ist der Plan der Bietergruppe, ABN unter sich aufzuteilen, ausgesprochen ehrgeizig. Im Wesentlichen wollen die beteiligten drei Institute – neben der RBS sind das die niederländische Fortis und die spanische Santander – ABN nach geografischen Kriterien aufspalten. Santander soll das Lateinamerikageschäft und die italienischen Aktivitäten übernehmen, Fortis wäre für die Niederlande und die Vermögensverwaltung zuständig und die RBS für Asien, den Rest von Europa und das Investmentbanking.

Was macht man aber mit großen ABN-Kunden, die in Lateinamerika und Asien aktiv sind? Und werden diese Kunden sich angesichts der Unwägbarkeiten nicht lieber schnell eine neue, stabile Bank suchen? Den Finanzaufsehern in den Niederlanden scheint die Zerschlagung von ABN auch nicht allzu sehr zu gefallen.

Der Übernahmekampf um ABN hat den interessierten Beobachtern bereits viele faszinierende Wendungen beschert, weitere werden folgen bevor die Schlacht entschieden ist.

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