Übernahmen: Kalkuliertes Abenteuer

Übernahmen
Kalkuliertes Abenteuer

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Wohlwollend sei an dieser Stelle vermerkt, dass die deutsche Rechnungslegungs-Nomenklatur auch nicht annähernd eine dem schönen englischen „Goodwill“ angemessene Entsprechung hervorgebracht hat. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass man hierzulande mit dem, was den Goodwill (Firmen- oder Geschäftswert) eines Unternehmens bei dessen Übernahme ausmacht und wie mit ihm umzugehen ist, lange Zeit nicht ganz im Reinen war.

Nun, da immer mehr auch kleinere Unternehmen zu den international üblichen Standards übergehen und den Goodwill nicht mehr einfach abschreiben, ist die Sache auf dem Papier klar: Geschäfts- und Firmenwerte summieren sich nach der Übernahmewelle der letzten Monate auf gewaltige Summen. 152 Milliarden Euro schlummern in den Bilanzen deutscher Unternehmen. Das könnte hier und da ein böses Erwachen geben – was mit der Änderung der Regeln im internationalen Maßstab bezweckt war.

Es gehört zu den Eigenheiten der IFRS-Regeln, dass die Unternehmen den Firmenwert ihrer Übernahmeziele Jahr für Jahr einem neuen Bewertungstest (Impairment) unterziehen müssen. Auch deshalb haben viele, so die Deutsche Telekom, bluten müssen. Schnell entpuppten sich Firmenwerte als schlechte Wechsel.

Die Lehren aus diversen Dotcom-Goodwill-Abenteuern scheinen die deutschen Unternehmen jedoch gezogen zu haben. Selbst die bis heute rekordverdächtig teuer wirkende Übernahme von Siemens-VDO durch Conti hat an dem insgesamt soliden Erscheinungsbild nichts verändern können. Man ist ins kalkulierte Risiko gegangen. Auch die jüngsten Konjunkturprognosen verstärken den Eindruck, dass der Aufschwung zwar Managerfantasien beflügelt, aber keine fantastischen Preise hervorgebracht hat. Freuen wir uns also nochmals auf 2008.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter

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