Überraschungsminister
SPD lässt Gabriel auf die Umwelt los

Sigmar Gabriel kommt zum Umweltministerium wie die Jungfrau zum Kind: In der Vergangenheit ist der Niedersache nie als erbitteter Kämpfer für Flora und Fauna aufgefallen. Seine Vorzüge: Er ist ein großartiger Redner und durchsetzungsfähig. Sein Problem: Bislang konnte er keine wirklichen politischen Erfolge vorweisen.

HB BERLIN. Niedersachsens früherer Ministerpräsident Sigmar Gabriel (46) genießt in der SPD seit Jahren den Ruf, ein aussichtsreiches Nachwuchstalent zu sein. Nach 15 Jahren im Landtag in Hannover gewann er nun ein Bundestagsmandat - und zieht voraussichtlich als Umweltminister in das Kabinett einer Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ein.

Seine Nominierung dürfte vielerorts für Verwunderung gesorgt haben. Denn Naturschutz und Umwelt hatten auf der Agenda Gabriels bislang keine Priorität. Grünen-Chef Reinhard Bütikofer merkte kritisch an: Gabriel werde beweisen müssen, ob er dafür sorgt, dass Umweltpolitik "auch in Zukunft ein Gewicht hat" oder ob er sich in Bezug auf das Endlager in Gorleben, auf den Atomausstieg oder die erneuerbaren Energien von der CDU den Schneid abkaufen lasse.

Auch die FDP kritisierte die Nominierung von Gabriel Die rot-grüne Bundesregierung habe den "gescheiterten Ministerpräsidenten" Hans Eichel und Manfred Stolpe Unterschlupf geboten, die neue versuche sich an der "Zweitverwertung der abgewählten Ministerpräsidenten" Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel, sagte FDP - Generalsekretär Dirk Niebel

Gabriels steile politische Karriere erlitt 2003 einen Knick: Die Bürger in Niedersachsen wählten den studierten Lehrer nach drei Jahren an der Macht ab und gaben dem Juristen Christian Wulff (46) von der CDU den Vorzug. Zwischenzeitlich war Gabriel schon als möglicher Nachfolger von Kanzler Gerhard Schröder gehandelt worden. Nach der Abwahl begann Gabriels Stern zunächst zu sinken: Es gab Streit zwischen ihm und Schröder, eine Kandidatur für einen Platz im SPD-Präsidium schlug Gabriel sich wegen mangelnder Unterstützung in der Partei aus dem Kopf.

Doch das Selbstbewusstsein von Gabriel nahm keinen Schaden. Er wurde trotz der Niederlage Oppositionschef und SPD-Fraktionsvorsitzender. Doch schnell wurde klar, dass Gabriel dem neuen harten Kurs des CDU-Ministerpräsidenten Christian Wulff wenig entgegenzusetzen hatte. Wulff griff mit Hilfe des VW-Skandals die alten SPD - und IG Metall-Seilschaften an. Von Gabriel war dagegen wenig zu sehen.

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