UMTS
Analyse: Ohne Blessuren geht es nicht

Kein Experte kann derzeit sagen, wann die Techniker die Probleme der UMTS-Netze in den Griff bekommen und wann die Datendienste störungsfrei durch die neuen Mobilfunknetze rauschen werden.

Die neue Mobilfunktechnik UMTS ist ein Rätsel, selbst für Leute aus der Branche: „Man kommt in einen Raum rein, und das UMTS-Netz schaltet sich plötzlich aus – einfach so, und man weiß nicht warum“, berichtet ein Top-Manager einer Mobilfunkgesellschaft. Solange er und seine Kollegen nicht mit Namen zitiert werden, scheuen sie keine klaren Worte über die neue Wundertechnik: Freimütig erzählen sie von massiven technischen Problemen, von großen Kompromissen und jeder Menge rätselhafter Phänomene. Kurzum: Die meisten Unternehmen haben zwar angekündigt, in der zweiten Jahreshälfte mit UMTS zu starten. Doch die Termine sind bedeutungslos.

Kein Experte kann derzeit sagen, wann die Techniker die Probleme in den Griff bekommen und wann die Datendienste störungsfrei und zur Zufriedenheit der Kunden durch die neuen Mobilfunknetze rauschen werden. Selbst Hutchison Whampoa aus Hongkong – ein großer und bisher meist erfolgreicher Konzern – hat sich bei seinen ersten UMTS-Gehversuchen in Großbritannien und Italien einige Blessuren geholt. Das ist für die gesamte Branche ein Alarmsignal.

Dabei sind die Mobilfunker schon lange skeptisch geworden: Niemand traut sich mehr eine Prognose zu, wann sich die Investitionen in die neue Technik rechnen werden. Zugleich pumpen sie aber eisern und unverdrossen Million um Million in den Aufbau der Infrastruktur. Warum blasen sie das Mega-Projekt nicht einfach ab? Drei Gründe sprechen dagegen:

Vor allem die großen Mobilfunker brauchen die neue Technik, um ihre Kapazitäten zu erweitern. Heute sind ihre Netze zu bestimmten Tageszeiten immer häufiger überlastet, die Übertragungsqualität ist dann miserabel. Sicherlich wäre es billiger, das bestehende GSM-Netz zu erweitern. Aber trotz aller Kinderkrankheiten: UMTS bietet langfristig viel mehr Möglichkeiten für neue mobile Internetangebote. Diese lassen sich via UMTS wesentlich komfortabler übertragen – bisher funktioniert das zumindest im Labor.

Die größeren Kapazitäten geben den Unternehmen noch eine weitere Chance: Sie können einen Angriff auf das Festnetz wagen – das Handy als Ersatz für das Festnetztelefon. Das funktioniert aber nur, wenn die Gesprächsqualität hoch und das Funknetz engmaschig ist – und die Preise erschwinglich. Bis das Mobiltelefon zu einer echten Bedrohung für das Festnetz wird, wird es daher noch einige Jahre dauern. Aber auf Dauer wird es so kommen. Schon heute lässt sich beobachten, dass sich die Gespräche langsam, aber sicher von den festen in die mobilen Netze verlagern. Hinzu kommt ein betriebswirtschaftliches Argument: Die Mobilfunker können mit UMTS ihre Kosten für den Netzbetrieb senken.

Zugegeben: All diese Vorzüge von UMTS sind nicht annähernd so spektakulär wie das, was die Unternehmen im Jahr 2000 vor der Versteigerung der Lizenzen versprochen haben. Inzwischen haben die Konzerne immerhin dazugelernt – und versprechen Kunden wie Investoren längst nicht mehr das Blaue vom Himmel. Aber wer das Ende der UMTS-Ära ausruft, bevor sie begonnen hat, begeht den gleichen Fehler wie der IBM-Gründer Tom Watson im Jahr 1943. Der sagte damals: „Ich glaube, es gibt einen weltweiten Bedarf von etwa fünf Computern.“

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