Ungewöhnliche Parallelen
Drohen Deutschland bulgarische Verhältnisse?

Die Partei des Regierungschefs verliert die Wahl, doch der Verlierer will seinen Posten nicht räumen. Das gibt?s nicht nur in Deutschland. Vor drei Monaten erlebte Bulgarien nach den Wahlen ein ähnliches Schauspiel. Fast zwei Monate dauerte es, bis eine halbwegs handlungsfähige Regierung zustande kam.

DÜSSELDORF. Simeon II. von Sachsen-Coburg-Gotha war neun Jahre alt, als die Kommunisten ihn 1946 zum ersten Mal von seinem bulgarischen Thron und aus dem Land verjagten. 2001 kehrte der Ex-König nach Bulgarien zurück und wurde unter dem bürgerlichen Namen Simeon Sakskoburggotski Ministerpräsident in Sofia. Als er vor drei Monaten auf demokratischem Wege abgewählt wurde und seinen Sessel an die sozialistische Partei weitergeben sollte, weigerte er sich kurzerhand.

Mit nur 20 Prozent der Stimmen hatte Sakskoburggotskis "Nationale Bewegung Simeon II." bei den Wahlen enorme Verluste hinnehmen müssen, die vorige Wahl hatte der "Zar", wie die Bulgaren ihn nennen, mit 43 Prozent der Stimmen triumphal gewonnen. Die diesjährigen Gewinner, die Sozialisten, erreichten 31 Prozent. Gleich nach dem Urnengang begannen sie Koalitionsgespräche mit der Partei des ehemaligen bulgarischen Königs, die jedoch bald scheiterten, weil Sakskoburggotski - obwohl nur Führer der kleineren Partei im Bündnis - Regierungschef bleiben wollte.

Was dann geschah, dient hoffentlich nicht als Beispiel für Deutschland. Drei Anläufe brauchten die Bulgaren, um eine Regierung zu bilden.

Zuerst koalierte der Sozialistenchef Sergej Stanischew mit der drittstärksten Fraktion im Parlament, der Partei der türkischen Bevölkerung, und stellte vier Wochen nach der Wahl eine Minderheitenregierung auf die Beine. Doch seine Amtszeit dauerte nur wenige Stunden: Unter chaotischen Zuständen wählte das Parlament zuerst Stanischew zum Ministerpräsidenten und ließ dann im nächsten Wahlgang sein Kabinett durchfallen.

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