Unicef
Kommentar: Zu spät reagiert

Alles soll besser werden, verspricht Unicef. Aber das hätte sich die Organisation eher überlegen müssen.
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Nun ist es doch passiert. Das DZI hat Unicef das Spendensiegel aberkannt. Da konnten die Beteiligten noch so vehement betonen, dass dieser Fall völlig unwahrscheinlich sei – am Ende blieb den Prüfern keine andere Wahl. In mehreren Fällen hat Unicef gegen die Richtlinien des DZI verstoßen.

Mit dem Spendensiegel verliert die Uno-Kinderhilfsorganisation ein entscheidendes Symbol für Seriosität. Der Imageschaden für Unicef ist enorm. Doch das ist nicht alles: Die gesamte Branche der Spendenorganisationen wird darunter leiden. Bislang hat sie vor allem vom Vertrauen gelebt. Das ist nun erst einmal getrübt. Die 20.000 verlorenen Dauerspender bei Unicef seit Ende November sprechen für sich. Das Versprechen, nun würde sich alles bessern, musste kommen – aber es kommt zu spät. Die entscheidende Frage ist, wie eine solche Peinlichkeit für eine so renommierte Organisation in Zukunft vermieden werden kann. 600.000 Vereine, die Spenden sammeln, gibt es in Deutschland. Nur 230 davon tragen das Siegel. Beim DZI kümmern sich nur sechs Mitarbeiter fortlaufend um die Prüfung der Organisationen – schon bei der jetzigen Anzahl an Vorgängen kaum vorstellbar.

Nun aber werden sicher noch mehr Vereine das O.K. des Spenden-Tüvs beantragen, um sich einen Vertrauensbonus zu verschaffen. Das ist nur mit einem größeren Kontrollapparat zu bewerkstelligen – der aber auch mehr kosten würde. Kurzfristig wäre schon viel damit getan, auch für Spendenorganisationen eine Publizitätspflicht einzuführen. Wenn Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung aller Organisationen offen zugänglich sind, kann sich jeder Spender persönlich davon überzeugen, ob und wo seine Spenden ankommen.

Claudia Schumacher
Claudia Schumacher
Handelsblatt / Redakteur

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