Unicredit
Kommentar: Hartnäckige Blockade

Der Coup des polnischen Premiers kam absolut überraschend. Nachdem die endgültige Fusion von Unicredit mit der HVB schon fast in trockenen Tüchern schien, schießt der Politiker erneut quer.

Die größte Hürde für die endgültige Fusion von Unicredit mit der HVB schien fast genommen: Der Widerstand der polnischen Regierung ließ nach, Warschau führte Gespräche. Ein paar Filialen sollten die Italiener verkaufen, dafür aber die Töchter von Unicredit und HVB in dem wichtigen osteuropäischen Land zusammenlegen dürfen.

Doch dann kam der Überraschungscoup des polnischen Premiers Kazimierz Marcinkiewicz. Völlig unerwartet forderte der Premier auf einer Konferenz in Zürich am Freitag doch wieder den Verkauf der polnischen Bank BPH.

Dem Vorstandsvorsitzenden von Unicredit, Alessandro Profumo, dürfte langsam die Geduld ausgehen. Er hat das Europarecht auf seiner Seite. Und er ist den Polen bereits entgegengekommen, indem er das Geschäft nicht der Bank Austria unterstellt hat, die als Osteuropaholding des Finanzkonzerns fungiert, sondern direkt der Mailänder Zentrale. Auch bei den Filialen und Arbeitsplätzen waren sich beide Seiten schon näher gekommen.

Doch mit der jüngsten Aussage des Premiers geht Polen wieder auf offenen Konfliktkurs. Möglicherweise spekuliert die Regierung ganz kalt darauf, dass ein Rechtsstreit durch die EU-Instanzen Unicredit viel zu viel Zeit kosten würde.

Deshalb könnten die Italiener tatsächlich dazu gezwungen sein, die kleinere Tochter BPH zu verkaufen und der polnischen Regierung damit das gewünschte Opfer zu bringen. Denn es fragt sich, wie viel Energie Unicredit angesichts der ohnehin schon schwierigen Fusion in das eine Problem investieren kann. Zudem könnte die Bank wohl einen guten Preis bei dem Verkauf erzielen. Und an einem kann die polnische Regierung Unicredit nicht hindern: der verkauften Bank später als Konkurrent die Kunden abzujagen.

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