Unicredit: Milder Ostwind

Unicredit
Milder Ostwind

Das war’s? Unicredit-Chef Alessandro Profumo musste seinen Posten am vergangenen Montag also schlagartig räumen, um von dem internen Manager Federico Ghizzoni ersetzt zu werden? Nach dem spektakulären Abschuss des einstigen Starbankers hätte man wohl eine spektakulärere Lösung erwartet. Ein Kommentar von Katharina Kort
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MAILAND. Wer seinen Vorstandsvorsitzenden so eilig ins Abseits stößt, weil er aufgrund seiner Schwächen nicht mehr in der Lage ist, die Bank zu führen, hätte ein Großkaliber in der Hinterhand haben sollen. Eine interne Lösung hätte man glatter einleiten können.

Vieles spricht also dafür, dass Unicredit auf die Schnelle keinen externen Kandidaten gefunden hat. Und Eile war auch von Seiten der Aufsicht der Banca d’Italia geboten.

Nicht, dass Ghizzoni ein schlechter Manager ist. Im Gegenteil: das Osteuropa-Geschäft hat er bis auf einige kleinere Märkte äußert erfolgreich geführt. Er steht sicherlich auch für eine Kontinuität in der Bank. Schließlich galt Ghizzoni als enger Vertrauter Profumos.

Und als Osteuropa-Chef hat er genau die Region geleitet, die dem Ex-Chef so am Herzen lag. Aber genau jener Ex-Chef musste ja gehen. Und jetzt setzt die Bank auf einen, der sicher nicht mit dem gleichen Charisma aufwarten kann, der aber im Grunde für die gleiche Strategie steht wie Profumo.

Immerhin wird Ghizzoni nachgesagt, äußerst diplomatisch zu sein. Das kommt ihm zupass, wenn er mit den mächtigen Sparkassenstiftungen als Großaktionäre verhandeln muss. Ganz oben auf seiner To-Do-Liste steht in den kommenden Wochen die Zusammenlegung verschiedener Italien-Töchter. Kein einfaches Unterfangen in Italien.

Außerdem steht er unter dem Druck, bessere Zahlen zu liefern. Schließlich haben einige Aktionäre Profumo nicht nur wegen seiner Überheblichkeit und mangelnder Kommunikation, sondern auch wegen der schrumpfenden Gewinne kritisiert. Profumos Fußstapfen zu füllen wird nicht leicht.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin

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