Universitäten
Schlechte Verlierer

Erstmals haben sich die Bundesländer in der Forschungspolitik ganz freiwillig einem echten, scharfen Wettbewerb ihrer Universitäten gestellt – und schon wäre das wichtigste Projekt für den deutschen Forschungsstandort fast implodiert.

In der Schlussrunde der Exzellenzinitiative fehlte nicht viel, und die Politik hätte der Wissenschaft das Mandat entzogen. Der Grund: Unbotmäßigkeit. Die erfolglosen Länderminister erwiesen sich als schlechte Verlierer.Bisher gibt es keinerlei Indizien dafür, dass die Gutachter aus der Wissenschaft bei der Auswahl der Eliteunis, Exzellenzcluster und Doktorandenschulen auch nur im Ansatz gemauschelt haben. Dagegen spricht vor allem der hohe Anteil ausländischer Wissenschaftler.

Dennoch beharren die Forschungsminister darauf, dass sie zumindest in der zweiten Runde über „Grenzfälle“ mitreden, sprich Geld umverteilen, dürfen. Und das, obwohl sie selbst vereinbart haben, dass die Forscher „abschließende“ Urteile fällen sollen. Doch das Pochen auf Mitsprache bei „Zweifelsfällen“ ist Augenwischerei. Selbst Minister, die einmal Forscher waren, können nicht jenen Überblick haben, den sich zahlreiche Experten vor Ort verschafft haben. Also geht es lediglich um politische Kosmetik zur Beruhigung ihrer Landeskinder. Das darf nicht sein, zumindest nicht auf Kosten der Exzellenz.

Die Exzellenzinitiative hat international großes Aufsehen erregt nach dem Motto: Die Deutschen unternehmen etwas Tolles zu Gunsten der Forschung. Nun werden die beteiligten ausländischen Forscher die Kunde vom föderalen deutschen Gezänk in die Welt tragen. Hoffen wir, dass der schlechte Eindruck in der zweiten Runde korrigiert wird und die Politik die von ihr selbst verfügte Dominanz der Wissenschaft ohne Murren akzeptiert.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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