Unternehmen
Die altersgerechte Arbeitswelt ist noch eine Ausnahme

Die Rente reicht nicht, und das Angebot an Fachrkäften reicht bald auch nicht mehr. Aber nur wenige ziehen daraus die richtige Konsequenz. Ein Kommentar von Rainer Nahrendorf
  • 4

Die Bundesregierung will an der 2012 beginnenden Anhebung der Regelaltersgrenze in der Rentenversicherung festhalten. Das überrascht nicht, denn die Rente mit 67 im Jahr 2029 ist notwendig, um den Beitragssatzanstieg zu dämpfen und die Last der Alterung der Gesellschaft fair auf die Generationen zu verteilen. Aber der Aufbruch in die altersgerechte Arbeitswelt verläuft weit weniger dynamisch als notwendig. Aktives „Age-Management“ ist in deutschen Betrieben noch die Ausnahme.

Arbeitsagenturchef Frank Jürgen Weise sagt vorher, wenn die Generation, die bis 67 arbeiten muss, etwa 60 Jahre alt sei, werden in Deutschland fünf Millionen Fachkräfte fehlen. Die Unternehmen würden es sich gar nicht leisten können, auf das Potenzial der Älteren zu verzichten. Aber sind die Älteren dann auch gesundheitlich fit genug und ausreichend weitergebildet, um produktiv länger arbeiten zu können?

Noch überwiegen die Zweifel, denn das Gros der deutschen Betriebe ist auf den Paradigmenwechsel von der Frühverrentungspolitik zur demografiegerechten Personalpolitik schlecht vorbereitet. Die Avantgarde des Age-Managements ist klein. Demografiepioniere finden sich in Großunternehmen wie der Metro AG, der Lufthansa und BMW, einigen Mittelbetrieben, bei den kleinen Unternehmen tut sich wenig.

Wie groß der Nachholbedarf ist, zeigen die Umfragen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Nur jeder fünfte Betrieb mit 50-jährigen und älteren Beschäftigten bot 2008 altersspezifische Personalmaßnahmen an. Nur sieben Prozent bezogen Ältere in die Weiterbildung ein, eine spezielle Weiterbildung Älterer betrieb nur ein Prozent. Altersgemischte Altersgruppen gab es nur bei sechs Prozent der Betriebe. Arbeitsplätze besonders ausgestattet und die Leistungsanforderungen herabgesetzt hatten zwei Prozent. Bei Kleinbetrieben sieht es besonders schlecht mit der Weiterbildung Älterer aus. Den notwendigen Bewusstseinswandel vorantreiben könnte eine Initiative zur Zertifizierung von Betrieben mit einer alternsgerechten Personalpolitik, wie sie das österreichische Arbeitsministerium mit dem Zertifikat „Nestor Gold“ ergriffen hat.

Die Zahlen über die bereits gestiegene Erwerbsbeteiligung Älterer geben keinen Anlass zur Euphorie, wenn man sie aufgliedert. Von den 60- bis 65-Jährigen arbeiteten 2008 nur 41,6 Prozent der Männer und 25,1 Prozent der Frauen. Nach dem heute bei gut 63 Jahren liegenden faktischen Rentenzugangsalter stürzt die Erwerbsbeteiligung ab. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 64 Jahren sinkt auf nur noch 6,3 Prozent. Unter den heutigen Silver Workers im Alter von 65 bis unter 70 sind über 170 000 Selbstständige und mithelfende Familienangehörige und knapp unter 200 000 Arbeiter und Angestellte, dazu viele Minijobber.

Vielen Silver Workers geht es bei der Weiter- und Wiederbeschäftigung um Anerkennung, um Wertschätzung, um die Weitergabe von Erfahrungswissen. Sie wollen gern mit größeren Freiheitsgraden noch weiterarbeiten. Teilrenten lassen sich gut mit Teilzeitarbeit kombinieren. Andere sind auf einen Zuverdienst angewiesen.

Um das Age-Management zu forcieren, bedarf es keines Demografieministeriums, keiner weiteren 50-plus-Programme. Überkommene Altersklischees lassen sich durch Best-Practice-Beispiele widerlegen. Der mehrfach ausgezeichnete Sensorenhersteller, die Sick AG, ist ein solches Vorbild. Best-Practice-Beispiele zeigen, dass sich der Elan der Jungen mit der Erfahrung der Älteren durchaus kombinieren lässt. Deutsche Betriebe sind auf ältere Mitarbeiter schlecht vorbereitet.

Kommentare zu " Unternehmen: Die altersgerechte Arbeitswelt ist noch eine Ausnahme"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Margrit Steer:
    Sie sprechen mir aus der Seele.Der Diplom und Nachweiszwang (Call center Diplom z.b: ) muss endlich ein Ende haben und berufserfahrung sollte endlich anerkannt werden, weg von der Mentalität " der ist ja alt".Ein Jugendwahn Arbeitsumfeld entspricht nicht der Realität.
    Die bundesregierung sollte sich an anderen Ländern (z.b Canada) ein beispiel nehmen und aktive Arbeitsmarktpolitik zugunsten "älterer" betreiben. Anreizsysteme für Unternehmer, welche Ältere Arbeitnehmer einstellen, könnten hier helfen, z.b in Form von Steuererleichterungen, oder Nachläsen bei Sozialversicherungsbeiträgen, ählich wie bei Minijobbern. Die Unternehmer werden dann schon irgendwann merken, wo der Vorteil bei älteren Arbeitnehmern liegt.

  • ich bitte um Verzeihung für die paar Tipfehler, aber wenn ich wütend bin, haue ich ein wenig schnell auf die Tasten und außerdem hab ich gerade ein paar Knochenprobleme in der linken Hand.
    Ja, ja, ich gehe regelmäßig in ein medizin.Sportcenter -

  • Muß es denn schon wieder ein englischer begriff sein? Age-management?
    Was soll der blödsinn?
    Deutschland tut sich schwer. Ja Deutschland tut sich schwer, weil in den Firmen die Generation Golf regiert. Das sind die, die schon als 15jährige die $-Zeichen in den Augen hatten aber sonst nicht allzu viel aufzuweisen haben, außer ein bißchen bWL-Studium und einen grenzenlosen Egoismus
    Als ich in meinem beruf anfing, waren Anfänger, also Junge, dann waren die mittleren Alter und die Älteren bis zur Rente eine ganz normale Zusammensetzung im betrieb und genau das fehlt heute. Und das Gute daran: jeder hat von jedem gelernt und genau das ist heute nicht mehr.
    Da wird von blödsinnigen Weiterbildungsmaßnahmen geredet. Hallo? muß man einer 50jährigen Vorstandssekretärin, Röntgenassistentin, Dackdecker-Gesellen etc. erst noch beibringen wie man arbeitet oder wie darf ich denn den Unsinn verstehen?
    Ganz das Ggenteil ist doch der Fall.
    Dass ein 50jähriger Dachdecker, oder LKW-Fahrer nicht mehr körperlich den Job machen kann, ist vielleicht richtig. Aber die könnten z. b. ratz-fatz mit ein wenig Einarbeitung in die Abteilung versetzt werden, wo die Planung abläuft. Also der Dackdecker im büro macht nun die täglichen Planungen und Einsätze wo die Gesellen der Firma hin müssen auf welche baustelle usw.
    Nein, heute macht das ein gestriegelter Jüngling der vor Arroganz vorne über kippt, aber von der Materie wenig Ahnung hat.
    Und so kann das in vielen berufen laufen.
    Der Maurerpolier wird eben Vorarbeiter und Einsatzleiter.
    Um sich vielleicht da und dort ein wenig noch an Wissen anzueignen, genügt eine Einarbeitung in der Abteilung oder eine kurze Weiterbildung über die iHK
    Diese Älteren mit ihrer großen Erfahrung können sich um Lehrlinge kümmern, da könnten die Lehrlinge aber so richtig was lernen und vor allem die Älteren haben ja auch eine große Sozialkompetenz was gerade in der Lehrlingsarbeit wichtig ist
    Aber nein, afür muß man wieder einen extra Schein haben. Wer 30 Jahre berufserfahrung auf dem buckel hat, der braucht keinen Schein.
    Aber wer bildet heute aus? Jugne Schnepfen die selbst noch grün sind hinter den Ohren
    Aber in Deutschland ist mittlerweile alles derart verkompliziert worden. Für alles braucht es Gesetze und Verordnungen. Für jeden Furz der quer hängt muß man erst einmal eien Verordnung haben.
    Mein Gott, wenn unsere Eltern so gearbeitet hätten, wäre Deutschland heute noch eine Trümmerwüste.
    Und büroleute können ohnehin länger arbeiten, wo ist das Problem?
    bei Rückenproblemen, die heute schon 40jährige haben, zahlt für das medizinische Sportcenter die Firma einen betrag im Monat zu für die, die nicht so viel verdienen und gut ist es.
    Verdammt noch mal, ich kann das Geseiere nicht mehr hören
    Diese ganzen Schwachköpfe die bei uns ds Sagen haben, schaden unserem Land von Tag zu Tag mehr
    Laßt mal die richtigen Leute dran, dann zeigen wir Euch allen wie es geht.
    So etwas hätte ich ratz fatz gemanagt.
    Aber ohne diese dmliche Wort age davor, das ist nämlich Diskriminierung

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%