Unternehmen
Mut zur Offensive

Deutschlands Unternehmen preschen vor. Nach Jahren der Zurückhaltung und des Sparens nehmen die großen börsennotierten Firmen wieder viel Geld in die Hand.

Sie investieren in Kunden, Anlagen und kaufen Wettbewerber auf. Gigantisch gestiegene Gewinne machen den Strategiewechsel möglich. Doch hinter allem stehen die Anteilseigner und die wechselvolle Börsenentwicklung. Erst vertrauten Aktionäre und Unternehmen großen Visionen. Dann waren großes Reinemachen und Kassensturz angesagt. Und jetzt liegt der Reiz in der Mischung aus beidem.

Um alle Schwenks zu verstehen, lohnt ein Blick zurück. Als Ende der neunziger Jahre das Internet die Welt revolutionierte, investierten viele Unternehmen in ferne Zukunftsprojekte. Geld spielte keine Rolle. Erstens wurde viel mit Aktien und nicht mit hart Verdientem bezahlt. Zweitens waren Schulden egal, solange Anleger jede neue Ankündigung und Ausgabe mit steigenden Kursen honorierten.

Beispiel Deutsche Telekom: Sie kaufte, investierte und verschuldete sich in der Spitze mit 70 Milliarden Euro. Doch die Aktie stieg fast gleichzeitig von weniger als 20 auf über 100 Euro. Die große Mehrheit war davon überzeugt, dass sich alle Investitionen, auch die Ersteigerung der UMTS-Lizenzen und der Kauf des amerikanischen Mobilfunkspezialisten Voicestream, irgendwann mal rechnen. Nicht die Gegenwart, allein die Zukunft zählte.

Überzogene Erwartungen an die Unternehmen, höhere Zinsen und vor allem das Versiegen neuer Anlegergelder zerstörten am Ende aber alle Hoffnungen. Erst sanken die Aktienkurse, dann brachen sie ein, weil globale Krisen und Bilanzskandale das Vertrauen in die Märkte erschütterten. Was blieb, sind die Errungenschaften der Internetrevolution: Die Welt wuchs enger zusammen – mit allen bekannten Folgen für Wettbewerb und Globalisierung.

Für die Unternehmen kehrte sich daraufhin vieles um. Anleger hörten auf, an Visionen und die Mär Gewinn bringender Investitionen zu glauben und richteten ihr Augenmerk auf hohe Renditen, Ausschüttungen und Aktienrückkäufe. Die Firmen verschlankten sich, strafften ihre Produktionsprozesse, entließen Mitarbeiter und senkten drastisch ihre Kosten. Nur wer Gewinne und Dividenden schuf und diese ständig erhöhte, war an der Börse noch etwas wert.

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