Unternehmen
Was Firmen in dieser Krise besser machen

Natürlich geht es vielen Unternehmen nicht gut, die hohe Zahl an Insolvenzen belegt das. Doch ein Vergleich mit anderen Krisen zeigt: Im Verhältnis überstehen die meisten Firmen ihre Auftragseinbrüche sehr gut. Und es gibt Gründe, warum Unternehmen die Rezession besser meistern als früher.
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Täglich klagen Unternehmen über neue Gewinneinbrüche. Doch mehr als solche Hiobsbotschaften überrascht, warum die Erträge angesichts nie erlebter Auftragseinbrüche nicht noch viel mehr wegschmelzen - nicht einmal so stark wie im Mini-Abschwung nach der Jahrtausendwende.

Dabei könnte die Ausgangslage kaum verheerender sein: Die Bundesrepublik erleidet 2009 ihre schwerste Rezession, egal, ob die Wirtschaft um sechs Prozent oder am Ende doch "nur" um fünf Prozent abstürzt, weil die Erholung schneller kommt als erwartet. 2003, im letzten Abschwung, sank das Bruttoinlandsprodukt infolge der geplatzten Technologieblase und globaler Kriegsängste gerade mal um 0,2 Prozent.

Doch während damals zu Beginn des Abschwungs die Nettogewinne der 30 größten deutschen börsennotierten Konzerne innerhalb eines Jahres um 54 Prozent einbrachen, werden es diesmal allenfalls 40 Prozent sein, zieht man die beiden negativen Jahre 2008 und 2009 zusammen. Selbst Firmen wie der Lkw-Bauer MAN, dessen Absätze um mehr als 50 Prozent schrumpfen, werden im laufenden Jahr unter dem Strich Geld verdienen. Abgesehen von der staatlich aufgefangenen Commerzbank, der Lufthansa, den Premiumherstellern BMW und Daimler und dem Stahlriesen Thyssen-Krupp, dem sein 4,5 Milliarden Euro teures Werk in Brasilien mindestens ebenso viel zu schaffen macht wie die Stahlkrise, dürften alle übrigen Dax-Konzerne im Gesamtjahr Nettogewinn erwirtschaften. Und das in der tiefsten Rezession der Nachkriegsgeschichte!

Sicher, die Unternehmen setzen diesmal mehr als früher auf Zeitarbeitskonten und Kurzarbeit. Das erspart zumindest vorläufig hohe Rückstellungen für Abfindungen und Sozialprogramme. Die Firmen wollen nicht alte Fehler wiederholen, indem sie hochqualifiziertes Personal entlassen, um es anschließend teuer wieder zu suchen.

Doch der entscheidende Unterschied ist, dass sich die Unternehmen diesmal lange auf den "Abschwung mit Ansage" vorbereiten konnten. Schon Anfang 2007 war der konjunkturelle Zyklus des investitionsgetriebenen Booms der Weltwirtschaft derart fortgeschritten, dass zumindest eine Delle absehbar war. Deutlicher wurde dies noch, als anschließend die Immobilienkrise entbrannte. In dieser Zeit entwickelten die Konzerne umfangreiche, auf mehrere Jahre angelegte Sparprogramme. Sehr zum Missfallen vieler Populisten, die solche Restrukturierungsabsichten angesichts ständig neuer Rekordgewinne als turbokapitalistische Gewinnsucht geldgieriger Manager geißelten.

Doch das griff zu kurz. Heute blicken Unternehmen wie Daimler und Deutsche Post trotz massiver Absatzeinbrüche und struktureller Krisen vor allem deshalb einigermaßen zuversichtlich in die Zukunft, weil ihre Sparprogramme zu wirken beginnen. Daimler sieht sich auf gutem Wege, vier Milliarden Euro unter anderem bei Personal, Material und Investitionen zu sparen. Die Post geht davon aus, eine Milliarde Euro bei den indirekten Kosten schon bis zum nächsten Frühjahr einzusparen und nicht erst wie gedacht Ende 2010. Konjunkturempfindliche Unternehmen wie Henkel, Siemens und MAN fahren jetzt die Ernte ihrer in den Boomzeiten angestoßenen Sparprogramme ein.

So lassen sich selbst bei stagnierenden und gar leicht sinkenden Umsätzen die Gewinne künftig wieder steigern. Sie werden regelrecht explodieren, wenn die Umsätze nur geringfügig zulegen. Paradebeispiel dafür sind die beiden Jahre nach der Schwäche 2001, als die Gewinne der Dax-Konzerne schon wieder um mehr als die Hälfte zulegten, obwohl die Aufträge erst 2004 spürbar ansprangen.

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