Unternehmensanleihen
Kommentar: Ernüchterung

Die Party bei Unternehmensanleihen ist offenbar vorbei. Zwei Jahre lang hatten Investoren in großem Stil Firmen-Zinspapiere als Alternative zu langweiligen, schlecht verzinsten Staatsanleihen und unsicheren Aktien gekauft. Dies trieb die Kurse in schwindelerregende Höhen und drückte im Gegenzug die Renditen.

Der Kaufrausch bewirkte, dass Kurse und Renditen nicht mehr im Ansatz das Risiko einer solchen Geldanlage bei einer einzelnen Firma widerspiegelten: Ende Februar dieses Jahres erhielten Investoren für europäische Anleihen von Unternehmen im Durchschnitt gerade mal 0,45 Prozentpunkte mehr Ertrag als für die viel sichereren Staatspapiere.

Auf die Euphorie folgte also Ernüchterung: Als Mitte März der US-Autobauer General Motors (GM) als einer der großen Anleihe-Emittenten eine Gewinnwarnung veröffentlichte und die großen Ratingagenturen dem Konzern drohten, seine Bonds zu Schrottanleihen herunterzustufen, kippte die Jubelstimmung am Markt für Firmenbonds. Die Kurse begannen zu sinken, die gute Laune dämpfte auch die von US-Notenbankchef Alan Greenspan geschürten Inflationsängste. Ende vergangener Woche, im Zuge des Streits um den GM-Tarifvertrag, brachen die Kurse großer Autobonds wie von GM, Ford und Daimler-Chrysler ein und zogen den Markt für Firmenbonds mit. Der Renditeabstand von europäischen Autoanleihen zu Staatsanleihen stieg um die Hälfte auf 2,4 Prozentpunkte, der von Firmenbonds stieg auf 0,8 Prozentpunkte.

Bankstrategen sehen nun schlechtere Zeiten für Unternehmensanleihen anbrechen, vor allem, wenn Vorzeigeemittenten wie GM ihren Ruf als guter Schuldner verspielt haben. Die Quartalszahlen von GM und Ford in dieser Woche dürften den Weg weisen.

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