Unternehmensanleihen
Rückkehr der Vernunft

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Die Zeiten, in denen Investoren den Unternehmen neue Anleihen förmlich aus den Händen rissen, sind vorbei. Zumindest vorerst. In dieser Woche haben viele Firmen weltweit geplante Bond-Platzierungen in Milliardenhöhe auf Eis gelegt. Ausreichend Nachfrage hätte es nur gegeben, wenn die Unternehmen höhere Risikoprämien gezahlt hätten. Betroffen waren davon in Europa der Stahlkonzern Arcelor-Mittal und vor allem Beteiligungsgesellschaften sowie Emittenten mit schlechter Kreditwürdigkeit in den USA. Auslöser des Risikobewusstseins, das sich in der Forderung nach höheren Risikoprämien zeigt, ist die Subprime-Krise um bonitätsschwache Häuslebauer in den USA. Diese hat schon zwei Hedge-Fonds von Bear Stearns ins Straucheln gebracht. Jetzt fragen sich Anleger, welche Kreise diese Krise noch ziehen wird.

Dass Investoren wie Banken, Fonds oder Versicherer angesichts ihrer vielen liquiden Mittel nicht mehr wahllos zugreifen, ist ein gutes Zeichen. Schließlich sind die Renditen der Unternehmensbonds und vor allem die Risikoaufschläge trotz des jüngsten Anstiegs immer noch historisch niedrig. Auch dass sich Anleger nicht mehr unbedingt auf riskante Deals einlassen, ist gut. So sind zuletzt Anleihen in Mode gekommen, die nicht mit Bargeld sondern mit neuen Anleihen bedient werden können. Es ist aber zweifelhaft, ob die Rückkehr der Vernunft anhält. Sollten keine weiteren Verwerfungen um Hedge-Fonds und den US-Subprime-Markt auftauchen, dürfte das neue Risikobewusstsein wieder dem Kaufrausch weichen. Denn als die Krise am Markt für schwache US-Hypothekenschuldner im März hoch kochte, waren die Risikoprämien schon einmal nach oben geschnellt, sanken danach aber auf neue Rekordtiefs.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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