Unternehmensanleihen
Schreckens-Szenario

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat gestern in einer Studie prognostiziert, dass im schlimmsten Fall bis Ende 2010 mehr als 20 Prozent aller europäischen Unternehmen mit schwacher Bonität ihre Kredite und Anleihen nicht mehr bedienen können. Wenn mehr und mehr Unternehmen tatsächlich zahlungsunfähig werden, werden die Investoren aller Voraussicht nach noch vorsichtiger. In der Folge dürften die Risikoprämien für Anleihen noch weiter steigen

Die Ratingagenturen haben den Ruf, dass sie mögliche Brandherde erst erkennen, wenn das Feuer lichterloh brennt. So war es bei den Bilanzskandalen um Enron und Worldcom und so war es bei der Bewertung von mit wackligen Subprimekrediten besicherten Anleihen, die letztlich der Auslöser dafür waren, dass die Weltkonjunktur in eine Rezession abrutscht.

Die Investoren an den Anleihemärkten nehmen die Schreckensmeldungen dagegen meist vorweg und verlangen oft schon höhere Zinsen für Unternehmensbonds und Kredite, bevor die Ratingagenturen den Daumen senken.

So ist es auch jetzt. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat gestern in einer Studie prognostiziert, dass im schlimmsten Fall bis Ende 2010 mehr als 20 Prozent aller europäischen Unternehmen mit schwacher Bonität ihre Kredite und Anleihen nicht mehr bedienen können. Die Kreditmärkte spiegeln auch dieses Schreckens-Szenario schon länger wider. So implizieren die Prämien, die Investoren zahlen müssen, um sich gegen den Zahlungsausfall von schwachen Schuldnern abzusichern, schon auf Sicht von einem Jahr eine Ausfallrate von 17 Prozent.

Dennoch ist die S&P-Studie kein Schnee von gestern. Denn noch liegt die Ausfallrate bei nur drei Prozent und damit im historischen Rahmen. Die Rezession dürfte indes als Erstes die Unternehmen treffen, die schon hochverschuldet sind und nur geringe Erträge erwirtschaften.

Bislang sind die implizierten Ausfallraten an den Kreditmärkten nur Theorie. Der harte Praxistest steht noch bevor. Wenn mehr und mehr Unternehmen tatsächlich zahlungsunfähig werden, werden die Investoren aller Voraussicht nach noch vorsichtiger. In der Folge dürften die Risikoprämien für Anleihen noch weiter steigen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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