Unzuverlässige Vorwahl-Umfragen
Gallup kritisiert Parteinähe deutscher Demoskopen

Das Ergebnis der Bundestagswahl bedeutete für einen Berufsstand eine Niederlage: Die Demoskopen verkannten die Schwäche der Union und die Stärke der FDP. Die US-Konkurrenz von Gallup hat als Erklärung für die Fehler die Parteinähe einiger Institute ins Gespräch gebracht.

HB BERLIN. Der Geschäftsführer der in Potsdam ansässigen deutschen Niederlassung des US-Demoskopiekonzerns, Gerald Wood, sagte der Zeitung "Thüringer Allgemeine", die Parteinähe insbesondere von Allensbach mit der CDU und Forsa mit der SPD sei ein "ernsthaftes Problem". Es sei aus demoskopischer Sicht sehr wichtig, so der Gallup-Mann, "dass man da klar trennt". Wood hält es auch für denkbar, dass die deutschen Institute zu geringe Datenmengen erheben und nicht kontinuierlich genug arbeiten. Dadurch würden "nicht alle Aspekte der Repräsentativität befolgt".

Die führenden deutschen Umfrageinstitute hatten ihre hohe Fehlerquote am Montag verteidigt. Gemeinsam wiesen sie darauf hin, dass sie immer nur die Stimmung zu einem Zeitpunkt widerspiegeln könnten und nie behauptet hätten, sie könnten das Ergebnis voraussagen. Anscheinend werde jedoch dieser Hinweis nicht wahrgenommen.

Außerdem verwiesen Experten darauf, dass sich immer mehr Wähler immer später entscheiden. Wenn sie es schließlich erst in der Wahlkabine tun, dann sei das nicht mehr erfassbar. Richard Hilmer von Infratest Dimap, das für die ARD arbeitet, gestand allerdings ein, dass sich die zittrige Hand des Wählers schon vorher zeigte, aber die Daten von den Forschern nicht richtig gewertet wurden. So wurde die enorm abweichende Parteien- und Kandidatenpräferenz nicht im ausreichenden Maße gewürdigt. Die Union habe ihre Vorteile in der Arbeits- und Wirtschaftspolitik nicht gegen die Dominanz von Kanzler Schröder (SPD) verteidigen können.

Außerdem stellen die Demoskopen fest, dass die sich Befragten bei ihren Angaben mitnichten verpflichtet fühlen, wahrheitsgemäße Angaben zu machen. Deshalb blieb unerkannt, dass die weit verbreitete Aversion gegen CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel am Wahltag dann zur statistischen Realität wurde. Entweder wich man auf die FDP aus oder in Bayern konnte die CSU 800 000 Stimmen nicht mobilisieren.

Die Wahlforscher wollen sich jetzt auf die neuen Bedingungen einstellen. Allensbach-Chefin Renate Köcher wies darauf hin, dass vor 25 Jahren konservative Wähler mit ihrer Wahlabsicht besonders häufig hinterm Berg hielten. Einmal erkannt, wurde dieses Verhalten im Rechenmodell berücksichtigt und die Ergebnisse stimmten wieder.

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