_

Urteil des Verfassungsgerichts: Pendlerpauschale: Geld und Glück

Am Dienstag blickt Deutschland auf Karlsruhe. Dann wird das Bundesverfassungsgericht sein mit Spannung erwartetes Urteil zur Pendlerpauschale verkünden: zusätzliches Weihnachtsgeld für Millionen Pendler oder ein tiefes Loch im Portemonnaie. Auf der anderen Seite stehen für den Fiskus rückwirkend für dieses und letztes Jahr rund fünf Milliarden Euro auf dem Spiel - kein Pappenstiel trotz der im Vergleich gigantischeren Summen, die der Staat zuletzt in marode (Landes-)Banken stecken musste.

Doch tatsächlich geht es um noch mehr: ums Prinzip. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hatte in der Verhandlung in Karlsruhe betont, mit der Entscheidung stehe die Reformfähigkeit des Staates auf dem Spiel. Auf der anderen Seite sehen viele Finanzwissenschaftler und Steuerjuristen die Säulen des deutschen Steuersystems durch Steinbrück bedroht.

Anzeige

Beides ist sicher etwas hoch gegriffen. Schließlich hat die Große Koalition lediglich faktisch für die ersten 20 Kilometer die Pendlerpauschale gestrichen, um auf diese Weise Geld zur Sanierung des Staatshaushalts einzusammeln. Und da Konsolidierung derzeit nicht gerade oben auf der politischen Agenda steht, könnte - je nach Ausgang der Entscheidung - eine neue Pendlerpauschale dann ja auch noch ihren Weg in ein zweites Konjunkturpaket der Regierung finden.

Denn bei Lichte betrachtet spricht einiges dafür, dass der Staat Fahrtkosten zwischen Wohnung und Arbeit in vielen Fällen als Werbungskosten anerkennen sollte. Das gängigste Gegenargument - wer im Grünen wohnt und in die Stadt zur Arbeit fährt, spart Wohnkosten - ist wenig stichhaltig.

Denn wie die beiden Ökonomen Bruno Frey und Alois Stutzer in einer Studie nachgewiesen haben, machen lange Anfahrtswege zur Arbeit die Menschen unglücklich: Je länger ein Befragter täglich pendelt, desto unglücklicher ist er. Ein Ergebnis, das viele täglich im Stau oder auf Bahnsteigen wartende Pendler kaum überraschen dürfte.

Und der Ökonomen-Befund geht noch weiter: Ein Angestellter, der täglich insgesamt 45 Minuten zur Arbeit unterwegs ist, müsste pro Monat 242 Euro mehr verdienen, damit er genauso zufrieden ist wie ein Nicht-Pendler. Steigt die tägliche Fahrzeit um 19 Minuten, sinkt die Lebenszufriedenheit um 0,12 Punkte. Zum Vergleich: Wenn ein Single einen neuen Lebenspartner findet, steigt die Lebensfreude in gleichem Ausmaß.

  • Kommentare
Kommentar: Wirtschaftswunder mit Schönheitsflecken

Wirtschaftswunder mit Schönheitsflecken

Die Zahlen der deutschen Industrie wirken auf den ersten Blick makellos. Doch ein Vergleich mit Vorkrisenjahren zeigt: Die Unternehmen sind längst nicht so stark wie sie sein könnten. Und das Klima wird rauer.

Kommentar: Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran-Krise bedroht die Weltwirtschaft

Iran ist bei den Atomgesprächen erneut auf Konfrontationskurs gegangen. Jetzt ist schnelles Handeln gefordert. Kommt es zum Konflikt, stürzt die Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: The War on Women

The War on Women

Frauen werden in den USA noch immer stark benachteiligt. Das reicht von überteuerten Konsumprodukten für Frauen bis hin zur restriktiven Abtreibungsrichtlinien. Beim Schutz der Frauen hinken die Amerikaner uns hinterher.

Was vom Tage bleibt: Die Tage des „Bankjogs“ nahen

Die Tage des „Bankjogs“ nahen

In Spanien mehren sich Krisensymptome, sodass Banker über den gefürchteten „Bankrun“ nachdenken. Ganz so schlimm wird es nicht. Allerdings ist auch die Vatikanbank mit sich selbst nicht im Reinen. Der Tagesbericht.

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Das Versagen von Bayern München, ökonomisch erklärt

Der Ausgang des Champions-League-Finales ist nicht nur peinlich für die Bayern, sondern auch für mich persönlich. Ausgehend vom Marktwert der Spieler hatte ich prognostiziert, dass Bayern gewinnen wird - weil die Mannschaft rund 30% mehr... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Gastbeiträge
Gastkommentar: Die CDU muss weiter nach links rücken

Die CDU muss weiter nach links rücken

Nach der NRW-Wahl muss die Union neue Prioritäten setzen: Sie muss auf die Sorgen der Menschen reagieren. Sonst verliert sie noch mehr Vertrauen - und ihren Status als Volkspartei.

Essay Jürgen Fitschen: Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Sünden der Finanzwirtschaft

Die Finanzbranche hat massiv an Ansehen verloren. Ohne sie würde unser Wirtschaftssystem aber zusammenbrechen, sagt Jürgen Fitschen. Ein Essay des designierten Co-Chefs der Deutschen Bank über die Zukunft der Branche.

Gastbeitrag: Gut gemacht, Chefin!

Gut gemacht, Chefin!

Angela Merkel führt ihre Regierung, wie es in der Wirtschaft gang und gäbe ist. Und doch hagelt es Kritik. Dabei handelt Merkel nur wie ein Manager. Endlich mal - sagt einer der bekanntesten Headhunter Deutschlands.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.