US-Abhörprogramm
Gut und Böse

In Berlin hat sich Barack Obama als Freund der Deutschen präsentiert. Aber was sind seine schönen Worte wert, wenn die USA den Begriff „Freiheit“ als Blankoscheck einer „Alles-ist-möglich“-Gesellschaft interpretieren?
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Dass ein Land gegen mögliche Bedrohungen Vorsichtsmaßnahmen trifft ist nachvollziehbar. Selbst dass es dabei auch Verbündete mit ins Visier nimmt, ist – in Grenzen – zu verstehen. Im Falle Deutschlands denke man nur an die Terrorzelle in Hamburg, der Mohammed Atta angehörte. Atta war einer von fünf Terroristen, die am 11. September 2001 Flugzeuge entführten und in New York und Washington Anschläge verübten, bei denen rund 3000 Menschen starben. Sein Verbrechen plante er in Hamburg. Zwar rechtfertigt diese Tatsache allein nicht das massenhafte Mitlesen von Emails und das Mitschneiden von Gesprächen. Doch immerhin erklärt sie es.

Doch was hat die Abwehr von Terrorismus mit dem Ausspähen von Botschaften befreundeter Staaten zu tun? Warum wendet es Schaden von den USA ab, wenn diese mithören, wie etwa in der EU-Botschaft in Washington über Strategien in den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen beraten wird? Was hat es mit Freundschaft zu tun, wenn man in eben diesen diplomatischen Vertretungen Wanzen anbringt?

Solches Verhalten lässt sich weder rechtfertigen, noch mit der übersteigerten Paranoia eines vor bald zwölf Jahren verwundeten Landes auch nur annähernd erklären. Und weil dies so ist, sind die neuen Enthüllungen ein Skandal ohne Beispiel. Weil sie Vertrauen erschüttern, ja, brechen.

Dass dies ausgerechnet unter einem amerikanischen Präsidenten geschieht, dem man in Deutschland vielleicht mehr als anderswo gewillt war, einen enormen Vertrauensvorschuss zu gewähren, macht die Sache noch schlimmer, noch ärgerlicher, noch schmerzlicher. Erst vor knapp zwei Wochen hat eben dieser Barack Obama am Brandenburger Tor von Freundschaft und Vertrauen gesprochen, vom angenehmen, lockeren Umgang unter Freunden. Vor dem Hintergrund der Enthüllungen fragt man sich nun, was diese Worte wert waren, was sie eigentlich bedeuten sollten und was sie uns über die USA verraten.

Denn wenn Freiheit so definiert wird, dass sie demjenigen, der über die technischen Möglichkeiten verfügt, alles erlaubt, dann verliert der Begriff seinen Inhalt. Und auch an dieser Stelle will man es einfach nicht glauben: Dass es wieder ausgerechnet jene Nation ist, deren Repräsentanten das Wort Freiheit in nahezu jeder Rede bemühen, die es derart uminterpretiert. Freiheit wird damit zum Blankoscheck einer „Alles-ist-möglich“-Gesellschaft.

Noch reibt man sich die Augen und will nicht wahr haben, welche Abgründe sich nun auftun. Vertrauen und gemeinsame Werte waren über Jahrzehnte die Grundpfeiler der transatlantischen Partnerschaft. Sie haben uns über die Zeit des Kalten Krieges getragen und durch die tiefsten Krisen.

Doch worauf gründet diese Partnerschaft heute eigentlich noch, wenn Freunde Freunde ausspähen, belauschen, hintergehen? Was ist noch gut, was böse?

Kommentare zu " US-Abhörprogramm: Gut und Böse"

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  • Dear Paul,

    Zitat@Paul777:
    "gleichermaßen aus der EUdSSR etc. Sie merkt nicht, wie alle sie um den Finger wickeln. Aber wer hat persönliche Statur bei "unseren Volksvertretern"?

    Die Wahl der AfD(Alternative für Deutschland) bei der Bundestaswahl scheint mir der letzte Strohhalm zu sein"

    Wie verzweifelt muesst Ihr Anhaenger der AfD sein mit Begriffen wie "EUdSSR" um euch werfen zu muesssen? Ist dies da "letzte Aufgebot" der "Argumente".
    Habt Ihr schon nichts Besseres mehr zu bieten als die Kolumnen einer Wirtschaftszeitung wie dem Handelsblatt vollzumuellen?

    Dieses geschreibsel ist doch recht plumb und ausser Ihr selbst, nimmt das wirklich jemand ernst?

    Kann man kaum glauben...

  • Vor 2 Jahren hat sich Merkel so richtig bauchpinseln lassen, als sie sich von dem Friedensnobelpreisträger Barack Osama die "Friedensmedaille" hat umhängen lassen. Eine Eitelkeit wie Lieschen Müller.
    Eine der wichtigstens Anforderungen an eine Führungskraft ist es, Mitarbeiter bewerten zu können und wenigstens Distanz zu halten zu denen, mit denen man den Kontakt nicht vermeiden kann. Wenn man sich Merkel in ihrem Umfeld ansieht: Eine Marionette ruchloser Bankster und Politiker nicht nur aus USA, gleichermaßen aus der EUdSSR etc. Sie merkt nicht, wie alle sie um den Finger wickeln. Aber wer hat persönliche Statur bei "unseren Volksvertretern"?

    Die Wahl der AfD(Alternative für Deutschland) bei der Bundestaswahl scheint mir der letzte Strohhalm zu sein

  • Guter Kommentar - genauso ist es! Amerika lernt nicht und macht weiter.

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