US-Arbeitsmarkt
Die Arbeitsplätze kommen nicht wieder

Wenn die Ergebnisse lahmen und der Aktienkurs sinkt, greifen US-Konzerne traditionell gern zum bewährten Hausmittel eines radikalen Personalabbaus. In der Vergangenheit speckten sie damit bei einem Abschwung Fett ab, das sie in guten Zeiten angesetzt hatten.

Jüngst häufen sich wieder die Meldungen von Massenentlassungen. General Motors will 25 000 Stellen abbauen, bei Ford wird von 15 000 Entlassungen gemunkelt. Fotoriese Eastman Kodak will zusätzlich zu bereits geplanten 15 000 Stellen weitere 10 000 streichen, Silicon-Valley-Pionier Hewlett-Packard plant, seine Belegschaft um 14 500 Personen oder rund ein Zehntel zu verkleinern, IBM will die gleiche Zahl von Jobs abbauen, und Windelkönig Kimberly-Clark gab jetzt Pläne bekannt, 6 000 Beschäftigte auf die Straße zu setzen. In den vergangenen beiden Jahren entließen die großen amerikanischen Fluggesellschaften bereits weit über 100 000 Personen.

Jüngst häufen sich die Massenentlassungen, obwohl von einer Rezession keine Rede sein kann. Die US-Wirtschaft wächst weiter in gesundem Tempo mit minimalem Preisauftrieb, und keineswegs sind alle Massen-Entlasser in Nöten. Hewlett-Packard verdient netto rund eine Milliarde Dollar pro Quartal, IBM erfreute die Börse mit gut 1,8 Milliarden Dollar Reingewinn, und Kimberly-Clark meldet gesunde Umsatzzuwächse und verdiente mit 422 Millionen Dollar im zweiten Quartal nur deshalb etwas weniger als im Vorjahr, weil sie die Möglichkeit nutzte, im Ausland geparkte Gewinne zum stark ermäßigten Steuersatz zu repatriieren.

Wenn es keine Rezession ist, was ist es dann? Die einen reagieren auf einen existenzbedrohenden Wettbewerb, die anderen wollen Wettbewerbsvorteile durch Globalisierung besser nutzen. In die erste Kategorie gehören die Autoriesen und die großen Fluggesellschaften. Sie sind gewerkschaftlich straff organisiert und leisteten sich in guten Zeiten Tarifverträge, mit denen sie heute nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Beide Gruppen glaubten, ihren Turf gegen neue Konkurrenten verteidigen zu können. Die großen Fluggesellschaften versuchten, durch Vorherrschaft auf wichtigen Verkehrsdrehscheiben Billigflieger am Start zu hindern. Die beiden Autoriesen ruhten sich im vergangenen Jahrzehnt auf den hohen Gewinnmargen ihrer Benzinsäufer aus und investierten zu wenig in neue Modelle. Obwohl sie seit 2001 ihren Absatz mit immer höheren Rabatten subventionieren, verloren sie Marktanteile, vor allem an japanische Konkurrenten.

Kurzsichtigkeit und schlechtes Management schwächten die Position von amerikanischen Fluggesellschaften und Autokonzernen gegenüber neuen Konkurrenten mit niedrigeren Kosten und besseren Produkten. Wegen stark steigender Treibstoff-, Rohstoff- und Sozialkosten flogen Fluggesellschaften in die Pleite, und die Autokonzerne fuhren tief in die roten Zahlen. Die Fluggesellschaften haben mittlerweile das Gros der Entlassungen hinter sich, aber bei General Motors und Ford hat der Stellenabbau erst begonnen. Die 25 000 Jobs bei GM über mehrere Jahre gehen über die normale Fluktuationsrate kaum hinaus, und Ford setzte das Messer bislang nur bei den Angestellten an, die nicht durch Tarifverträge gesichert sind.

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