US-Banken
Die Banker haben nichts gelernt, die Politiker nichts verstanden

Wieder gehen US-Banken im Hypothekengeschäft ohne Skrupel vor. Nun will die Politik will ein Moratorium für Zwangsversteigerungen - und könnte damit die Verwertung von Sicherheiten gefährden.
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Dem globalen Bankensystem droht erneut Gefahr vom US-Immobilienmarkt, dessen Kollaps bekanntlich die jüngste Finanzkrise auslöste. Wieder sind es die großen US-Institute, die im besten Fall unverantwortlich, vermutlich aber einfach skrupellos mit Hausbesitzern umgehen. Hatten sie ihnen im Immobilienboom ohne große Prüfung völlig überdimensionierte Kredite aufgedrängt, treiben sie viele überschuldete Kunden nun ohne Detailprüfung und oft zu Unrecht aus den Häusern, um diese so schnell wie möglich zu verkaufen.

Sie haben offenbar trotz aller Beteuerungen nichts aus der letzten Krise gelernt. Kein Wunder, dass sich die US-Politik einschaltet und die Institute zu einem Moratorium für alle Zwangsversteigerungen zwingen will. Die Staatsanwälte von 40 Bundesstaaten - alle direkt vom Volk gewählte Beamte - trommeln derzeit dafür. Das größte Institut des Landes, Bank of America, hat sich bereits gebeugt.

Was wie ein nebensächlicher, inneramerikanischer Streit um Verbraucherschutzrechte klingt, kann in Wahrheit negative Auswirkungen auf das globale Finanzsystem haben. Vor allem das durchaus gut gemeinte Engagement der Politik macht die Lage brisant. Denn das Gros der Zwangsversteigerungen ist nicht nur rechtmäßig, sondern auch nötig. Der immer noch angeschlagene Immobilienmarkt der USA wird sich nur erholen, wenn die überschuldeten Kreditnehmer für ihre Gebäude neue Käufer finden. Erst dann können sich die Preise wieder stabilisieren, so dass der Immobilienmarkt für die Wirtschaft keine Gefahr mehr darstellt.

Das gut gemeinte Moratorium droht einen Mechanismus in Gang zu setzen, den wir bereits aus der Finanzkrise kennen. Denn die Hypotheken der US-Bürger liegen nach wie vor in Anleihen verpackt in den Büchern von Banken weltweit. Als 2007/2008 die Häuserpreise in den USA kollabierten, verloren diese als "toxische Wertpapiere" zu trauriger Berühmtheit gelangten Finanzinstrumente an Wert und zwangen Institute weltweit zu Abschreibungen von rund 1,5 Billionen Dollar. Diese auch durch Panik überzogenen Wertverluste wurden in den vergangenen Monaten teilweise wieder aufgeholt. Dies half mit, die Banken weltweit zu stabilisieren.

Die Bewertungen könnten aber ganz schnell wieder abrutschen, wenn nun die Zwangsversteigerungen in den USA ganz eingestellt werden. Dies würde nicht nur die Verwertung der Sicherheiten stoppen und damit auch den Wert der Hypothekenanleihen drücken. Ausschlaggebender dürfte die Sorge vor einer erneuten Schwäche des US-Immobilienmarktes unter Investoren sein, welche Anleihen aus Angst vor Verlusten in der Zukunft verkaufen. Gerade die europäischen Banken, die schon jetzt beinahe täglich Gegenstand von Spekulationen über neuerlichen Kapitalbedarf sind, können neue Abschreibungen überhaupt nicht gebrauchen.

Es ist zu befürchten, dass die meisten US-Politiker diese Zusammenhänge trotz aller Beschäftigung mit der Finanzkrise nicht begreifen oder nicht begreifen wollen. Sie stecken in einem der polarisiertesten Parlamentswahlkämpfe der US-Geschichte und haben nur ein Interesse: Sie wollen Anfang November wiedergewählt werden.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Die Verursacher der Probleme sind die Banken, die sich benehmen, als sei in den vergangenen drei Jahren nichts geschehen. Das aber macht das Verhalten der Politik nicht besser. Die einen haben aus der Krise nichts gelernt, und die anderen haben nichts begriffen - ein toxisches Gebräu, auf dessen Nebenwirkungen in Europa man dringend achten muss.

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  • Wer soll die überschuldeten immobilien in der Masse kaufen, wie sie in den USA angefallen sind? Wo bleiben die Verluste, die sich aus der Differenz von Hypotheken-Restschuld und Versteigerungserlös ergeben? in den USA gibt es keine Wohnungsnot, der Preisdruck in der bauindustrie ist enorm. Viele sind gewöhnt, in Trailern zu leben, vor allem in den klimatisch günstigeren bundesstaaten. Mit Einfamilienhäusern, die von der bausubstanz her einer besseren Gartenlaubenqualität entsprechen, wrid eine Spekulation schwer möglich sein, um in den nächsten Jahren die Verluste wenigstens teilweisen wieder zu erwirtschaften. Dazu der Dollar-Währungsverfall und ein weiteres Ansteigen von Armut, sozialer bedürftigkeit und gesamtstaatlicher bankrottgefahr. Hier kann man nur Nuancen in den Ergebnissen erkennen, wenn man beide "Wege" vergleicht und massive Verluste der Gläubiger sind unumgänglich, nur die Anwälte werden verdienen.

    Unterm Strich wird es egal sein, ob banken und immobiliengesellschaften erneut auf Kosten des Steuerzahlers und mit Hilfe der Notepresse gerettet werden oder ob Hunderttausende als dauerhafte Sozialleistungsempfänger auf gleiche Weise alimentiert werden müssen. Es ist abzuwägen, ob der soziale Friede einen angemessenen Wert darstellt, der dadurch eher erhalten werden könnte, daß man Menschen in ihrem nicht mehr von ihnen selbst bezahlbaren Zuhause läßt und Wege für eine langfristige Ersatzfinanzierung sucht!

  • Dem globalen bankensystem droht erneut Gefahr vom US-immobilienmarkt ...

    Aber nicht nur vom Wohnimmobilienmarkt, sondern vor allem vom Gewerbeimmobilienmarkt.
    Der Gewerbeimmobilienmarkt der USA, viermal so groß wie der Wohnimmobilienmarkt, ist gerade dabei, sich in Luft aufzulösen. Er befindet sich im freien Fall. Jetzt im Herbst müssen ca. 5 billionen Hypothekendarlehen prolongiert, bzw. umgeschuldet werden, in die vor allem deutsche bankster involviert sind.

    Jedes 10.Einkaufscenter steht schon ungenutzt in der Pampa rum, büromieten lassen sich nicht mal mehr zu 50% erzielen, der Leerstand steigt fast täglich.
    Der Wert einer Gewerbeimmobilie wird über den Mietertrag errechnet. Halber Mietertrag – halber Wert. Diese Situation macht eine Umschuldung unmöglich.
    Mutti wird sich freuen, da kann auch sie nicht mehr helfen. Außer die Druckerpressen für die D-Mark heiß laufen lassen.
    Noch ist dafür Zeit, sein Vermögen sicher und günstig in Edelmetalle umzuschichten.

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