US-Banken
Kommentar: Blanke Panik

Die Wall Street wankt. Nur mit Hilfe der New Yorker Federal Reserve (Fed) kann sich die Investmentbank noch über Wasser halten. Dass JP Morgan als Notarzt die lebensrettende Liquiditätsspritze verabreicht, ändert nichts daran, dass hier die amerikanische Notenbank einen der großen Namen der Wall Street vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt.
  • 0

Die Wall Street wankt. Nur mit Hilfe der New Yorker Federal Reserve (Fed) kann sich die Investmentbank noch über Wasser halten. Dass JP Morgan als Notarzt die lebensrettende Liquiditätsspritze verabreicht, ändert nichts daran, dass hier die amerikanische Notenbank einen der großen Namen der Wall Street vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt. Etwas Ähnliches hat es zuletzt in der Krise des Hedge-Fonds LTCM 1998 gegeben. Auch damals drängte die New Yorker Fed die Wall Street zu einer Notoperation. Die staatliche Rettung des britischen Baufinanzierers Northern Rock ist allen noch in schlechter Erinnerung. Soweit ist es an der New Yorker Finanzmeile noch nicht. Aber weit davon entfernt sind wir nicht mehr.

Die Krise von Bear Stearns zeigt einmal mehr, dass an den Finanzmärkten blanke Panik herrscht. Noch vor zwei Tagen erklärte der Bear-Chef Alan Schwartz, dass die Gerüchte über Liquiditätsengpässe völlig aus der Luft gegriffen seien. Jetzt hat sich die Kassenlage innerhalb von 24 Stunden so dramatisch verschlechtert, dass nur noch die Notenbank helfen kann. Hier wird deutlich, dass die fehlende Liquidität nur ein Symptom der Krise ist. Im Grunde geht es um den Vertrauensverlust in die Zahlungsfähigkeit vieler Finanzinstitutionen. Dagegen kann auch die Fed wenig machen. Der „Run“ auf die Bank, den wir bei Northern Rock am Fernsehschirm live miterleben konnten, findet an der Wall Street an den Computerbild-schirmen der Handelssäle statt.

Die Börse hat auf die neue Hiobsbotschaft mit massiven Kursverlusten reagiert. Der Dollar sackt weiter ab, der Ölpreis schießt wieder nach oben, für eine Unze Gold muss man mehr als 1 000 Dollar bezahlen. All das sind Anzeichen der Panik. Das Misstrauen richtet sich jetzt auf die anderen In-vestmentbanken an der Wall Street, die nächste Woche alle ihre Quartalsbilanzen vorlegen werden. Schon machen Gerüchte über Probleme bei Lehman Brothers die Runde. Zur Erinnerung: das ist ein der wenigen Banken, die bislang die Kreditkrise halbwegs wohlbehalten überstanden haben. Aber das zählt in Zeiten wie diesen nicht mehr. Rette sich wer kann, heißt das Motto.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

Kommentare zu " US-Banken: Kommentar: Blanke Panik"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%