US-Einwanderung
Schotten dicht

In Amerika geht das Gespenst von der Einwandererwelle um. Zwischen 10 und 20 Millionen illegale Immigranten befinden sich mittlerweile im Land, schätzen Experten. Der Großteil stammt aus Lateinamerika, insbesondere aus Mexiko. Sie schwimmen durch den Rio Grande oder marschieren in sengender Hitze durch die Wüste, um der Perspektivlosigkeit in ihren Heimatlän-dern zu entkommen.

Doch in Amerika macht sich eine Das-Boot-ist-voll-Stimmung breit. Vor allem konservative Republikaner trommeln immer lauter für eine Abschottung. Publizistischen Flankenschutz erhalten die Politiker durch rechte Fernsehsender wie Fox News. Dessen Moderator Bill O’Reilly macht sich für die Entsendung Zehntausender Nationalgardisten an die Grenze zu Mexiko stark. Vertreter privater Milizen aus Arizona, die in eigener Regie nach illegalen Einwanderern Ausschau halten, sind bei Fox Dauergäste.

Auch der US-Kongress wird zunehmend von dieser Wagenburgmentalität erfasst. So verabschiedete das Repräsentantenhaus kürzlich einen Gesetzentwurf, der sich für harsche Maßnahmen aussprach. So soll ein mehr als 1000 Kilometer langer Zaun an der Grenze zu Mexiko illegale Immigranten abschrecken. Wer es dennoch nach Amerika schafft, soll sofort deportiert oder in den US-Knast gesteckt werden. Wortführer ist der republikanische Abgeordnete Tom Tancredo, der den in den USA geborenen Kindern von Illegalen das Verfassungsrecht auf einen amerikanischen Pass verweigern will.

Selbst die Opposition zieht mit. So haben die demokratischen Gouverneure von New Mexico und Arizona den „Einwanderungsnotstand“ ausgerufen. Für die Bundesstaaten im Südwesten sind die illegalen Einwanderer eine große finanzielle Bürde, weil sie Sozialleistungen in Anspruch nehmen und ihre Kinder auf staatliche Schulen schicken.

Das Klima ist derart gereizt, dass auch Präsident George W. Bush zurückrudern muss. Der Chef des Weißen Hauses hatte zu Beginn seiner Amtszeit für ein großzügiges Gastarbeiterprogramm geworben: Einwanderer sollten die Möglichkeit bekommen, zunächst maximal sechs Jahre in den USA ihre Brötchen zu verdienen. Nach einer einjährigen Pause sollten sie erneut die Chance zu einer befristeten Arbeitserlaubnis erhalten. Davon ist heute keine Rede mehr. Zwar strebt Bush nach wie vor einen zeitlich begrenzten Migrantenstatus an. Im Unterschied zu früher schließt er jedoch eine Amnestie für die Illegalen kategorisch aus. Stattdessen konzentriert er sich auf die Grenzsicherung. Das Personal soll um Tausende neuer Kräfte aufgestockt und die Luftüberwachung durch unbemannte Flugzeuge sowie Infrarotkameras ausgeweitet werden.

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