US-Geldpolitik
In der Zwickmühle

HB DÜSSELDORF. Zwar musste er seine Wachstumsprognose unter dem Druck der jüngsten Signale aus der Wirtschaft etwas zurückschrauben. Unterm Strich lautet jedoch seine Botschaft: Der Aufschwung steht auf soliden Füßen, die Fed hat die Inflationsgefahr im Griff.

In Greenspans Worten schwingt eine gehörige Portion Zweckoptimismus mit. Hat der Notenbanker doch keine andere Wahl, als der von seiner Geldpolitik kräftig beförderten Erholung das Wort zu reden. Zweifel am Aufschwung wären Selbstzweifel an seiner ökonomischen Weisheit. Tatsächlich ist der Himmel über der US-Wirtschaft keineswegs so wolkenlos, wie uns Greenspan weismachen will.

Zum einen hat die Konjunktur im Juni eine Wachstumspause eingelegt, die bislang noch niemand richtig erklären konnte. Zum anderen läuft Greenspan mit seine Strategie der „gemäßigten Zinserhöhungen" Gefahr, der anziehenden Inflation hinterherzulaufen. Schon macht das böse Wort der „Stagflation", also einer stagnierenden Wirtschaft bei gleichzeitig steigenden Preisen, die Runde an der Wall Street.

Von diesem Horrorszenario ist Amerika noch ein gutes Stück entfernt. Der frühere US-Notenbanker Lawrence Meyer verweist aber zu Recht auf das Risiko, dass der Konjunkturlokomotive USA vorzeitig die Puste ausgehen und zugleich die Inflationsgefahr steigen könnte. Greenspan steckt damit in der Zwickmühle: Zieht er die Zinszügel zu schnell an, gefährdet er den Aufschwung. Lässt er sie weiter schleifen, rennt ihm womöglich die Inflation davon. Das Pikante daran ist, dass er sich mit seiner stimulierenden Geldpolitik selbst in diese vertrackte Situation gebracht hat.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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