US-Immobilienfinanzierer
Analyse: Unsauber

NEW YORK. Man stelle sich vor: Eine halbstaatliche Organisation kauft fast die Hälfte aller privaten Wohnungsbaukredite in Deutschland auf. Die Organisation behält einen Teil davon für sich; den anderen Teil verpackt sie in große Kreditpakete, die an Finanzinvestoren weitergereicht werden. Die Organisation kann sich dank ihrer Staatsnähe günstiger finanzieren als private Konkurrenten.

Die deutschen Hypothekenbanken könnten mit dieser Rivalin nicht mithalten. Sie würden einen Großteil ihres Geschäfts verlieren. Gleichzeitig dürften Hypothekenzinsen leicht fallen, weil die Organisation ihren Kostenvorteil am Markt weitergibt. Trotzdem bliebe noch genügend Profit, um die privaten Aktionäre der halbstaatlichen Organisation reich zu machen. Auch die Manager der Organisation, die meist aus politischen Kreisen stammen, könnten sich üppige Gehälter gönnen. Man stelle sich nun zusätzlich vor, dass die ominöse Organisation seit Jahren ihre Bilanz mit gerade noch legalen Tricks frisiert, um schön gleichmäßige Gewinnzuwächse ausweisen zu können. Der Skandal wäre perfekt.

So wie gerade geschildert, funktioniert seit Jahrzehnten der US-amerikanische Markt für private Wohnungsbaukredite. Dort herrscht eine unsaubere Verquickung privatwirtschaftlichen Gewinnstrebens mit staatlicher Absicherung, die einer marktwirtschaftlichen Ordnung widerspricht. Denn so entstehen Anreize für die Bereicherung Einzelner auf Kosten der Allgemeinheit.

Der jüngste Bilanzskandal um den Hypotheken-Finanzierer Fannie Mae bestätigt die ökonomische Theorie eindrucksvoll. Die beiden staatlich gegründeten, aber eigentumsrechtlich längst privatisierten Wohnungsbau-Finanzierer Fannie Mae und Freddie Mac halten oder garantieren inzwischen mehr als drei Billionen Dollar oder 45 Prozent aller privaten Hausdarlehen in den USA. Das meldet die zuständige Regulierungsbehörde OF-HEO. Fannie Mae, die größere der beiden Schwester-Organisationen, ist von der Bilanzsumme her der zweitgrößte US-Finanzdienstleister, nach dem Weltmarktführer Citigroup. Doch im Gegensatz zum breit aufgestellten Finanzkonglomerat Citigroup konzentrieren Fannie und Freddie sich auf ein einziges Geschäft - den Aufkauf privater US-Baudarlehen.

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