US-Immobilienkrise
Viel Herz, wenig Verstand

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Die Immobilienkrise in den USA hat jetzt den beginnenden Präsidentschaftswahlkampf in Amerika erreicht. Nachdem Regierung und Kandidaten das heikle Thema lange Zeit links liegengelassen haben, preschen sie jetzt mit unausgegorenen Rettungsplänen vor. Der Aktionismus ist so verständlich wie schädlich. Wenn Millionen Familien in den nächsten Monaten Gefahr laufen, ihre Häuser zu verlieren, kann kein Politiker die Hände in den Schoß legen. Schon deshalb nicht, weil die betroffenen Hausbesitzer auch Wähler sind. Das ist aber noch lange kein Grund, die ökonomische Vernunft über Bord zu werfen.

Das von Präsident Bush geplante Zinsmoratorium erscheint nur auf den ersten Blick vernünftig. Tatsächlich schafft der Rettungsplan mehr Probleme, als er zu lösen vorgibt. Dass Darlehensverträge ohne Zustimmung der Gläubiger durch einen staatlich geführten Federstrich abgeändert werden, ist nicht nur ein rechtliches Problem. Investoren werden künftig deutlich höhere Aufschläge für Hypothekenanleihen fordern, wenn sie ein politisches Restrisiko mit einkalkulieren müssen. Die Zeche zahlen also jene, die sich künftig um ein Hypothekendarlehen bemühen und höhere Zinsen zahlen müssen.

Es ist auch keineswegs sicher, dass der Eingriff des Staates überhaupt den gewünschten Erfolg hat. Erfahrungen zeigen, dass bis zu 40 Prozent der Schuldner trotz Zinserleichterungen am Ende unter der Zahlungslast zusammenbrechen. In diesem Fall würde die Rettungsaktion das Leiden nur verlängern. Damit wäre niemandem gedient. Das mag wie kaltherziger Ökonomismus klingen. Die bittere Wahrheit ist jedoch, dass der Staat in dieser Krise nur wenig Hilfe leisten kann, will er nicht noch größere Verwerfungen in der Zukunft produzieren.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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