US-Immobilienmarkt
Wie ein Kartenhaus

Es war nur eine Frage der Zeit, dass die Finanzwelt den Einbruch des amerikanischen Immobilienmarktes zu spüren bekäme. Zu unbesorgt haben viele Banken während des Häuserbooms den Kredithahn geöffnet.

Die aktuellen Probleme der britischen Großbank HSBC sind das bislang deutlichste Warnsignal, zeigen sie doch, welche Risiken in dem unübersichtlichen Hypothekenmarkt Amerikas stecken. Schon seit einigen Monaten gärt es auf dem Markt für zweitklassige Kreditnehmer. Einige kleinere Institute mussten bereits aufgeben, weil sie die Zahlungsausfälle ihrer überschuldeten Kunden nicht verkraften konnten. Während des Booms lockten die Banken mit waghalsigen Finanzie-rungsangeboten. Auf Eigenkapital wurde verzichtet, Tilgungszahlungen wurden dauerhaft ausgesetzt. Solange die Zinsen niedrig und die Hauspreise hoch waren, ging das gut.

Jetzt hat die Notenbank jedoch die Leitzinsen schrittweise angehoben, und die Immobilienpreise befinden sich vielerorts im Rückwärtsgang. Während Hausbauer mit guter Bonität das bislang weggesteckt haben, geht den finanzschwachen Eigenheimbesitzern jetzt die Luft aus. Betroffen davon sind nicht nur jene Institute, die Hypothekendarlehen gewährt haben. In Amerika werden solche Kredite als verbriefte Darlehen schnell weitergereicht. Dadurch verringert sich zwar normalerweise das Risiko für die einzelne Bank, zugleich kann sich jedoch eine Krise schneller ausweiten. Dass es jetzt ausgerechnet HSBC erwischt hat, ist nicht ohne Ironie. Gelten die Ökonomen der Großbank doch als die größten Kritiker des US-Immobilienmarktes und warnen seit langem vor den Gefahren. Manchmal lohnt es sich eben doch, die Analysen des eigenen Hauses zu lesen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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