US-Investmentbanken
Das große Sterben an der Wall Street

Selbst die Banker von Goldman Sachs können keine Wunder vollbringen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahrs bekam auch der Platzhirsch unter den Investmentbanken dieser Welt die Folgen der großen Kreditkrise schmerzlich zu spüren. Einiges spricht dafür, dass mit dem „schwarzen Sonntag“ an der Wall Street das Aussterben der großen integrierten Investmentbanken begonnen hat.
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Selbst die Banker von Goldman Sachs können keine Wunder vollbringen. Im dritten Quartal des Geschäftsjahrs bekam auch der Platzhirsch unter den Investmentbanken dieser Welt die Folgen der großen Kreditkrise schmerzlich zu spüren. Der Gewinn brach im Vergleich zum Vorjahr um satte 70 Prozent ein, die Einnahmen um die Hälfte.

Das wäre aber gar nicht so schlimm, denn immerhin verdienen die Goldmänner noch Geld, allein das ist in diesen düsteren Zeiten bereits eine reife Leistung. Aber auf Dauer wird sich auch die Nummer eins der Branche Gedanken über die Zukunft ihres Geschäftsmodells machen müssen. Einiges spricht dafür, dass mit dem "schwarzen Sonntag" an der Wall Street das Aussterben der großen integrierten Investmentbanken begonnen hat.

Denn am vergangenen Wochenende rang die New Yorker Finanzelite nicht nur verzweifelt um die Rettung von Lehman Brothers, auch ein lange schwelender Streit wurde endgültig entschieden: Wer hat das bessere Geschäftsmodell, Universalbanken wie JP Morgan und die Bank of America oder fokussierte Investmentbanken wie Goldman Sachs. Nachdem Lehman Brothers spektakulär untergegangen ist und Bear Stearns und Merrill Lynch sich in die Arme von Großbanken flüchteten, fällt die Antwort auf diese Frage nicht mehr schwer: Die Zukunft gehört den breit aufgestellten Universalbanken mit der dicken Bilanz. Für die fokussierten Investmentbanken, die sogenannten Broker-Dealer, sieht es dagegen nicht allzu gut aus.

In Zeiten der großen Krise lässt sich die Überlebensfähigkeit einer Bank anhand von drei einfachen Kriterien messen. 1.: keine zu großen Schäden aus der Subprimekrise. 2.: ein breit diversifiziertes Geschäftsmodell. 3.: ein gut ausgebautes Privatkundengeschäft. Gerade der letzte Punkt ist von großer Bedeutung. Angesichts des enormen Misstrauens gegenüber der Finanzbranche haben all jene Banken einen enormen Vorteil, die sich bei der Refinanzierung nicht auf die Geld- und Kapitalmärkte verlassen müssen, sondern auf die Spargelder ihrer Privatkunden zurückgreifen können.

Naturgemäß schneiden fokussierte Investmentbanken wie Goldman Sachs oder Morgan Stanley bei den Kriterien Privatkundengeschäft und diversifiziertes Geschäftsmodell schlecht ab. Wer dann noch große Altlasten an toxischen Wertpapieren in der Bilanz hat wie Bear Stearns, Merrill Lynch und Lehman Brothers, für den wird es in der aktuellen Krise sehr, sehr schwer.

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