US-Investmentbanken
Eine bittere Bilanz

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Vier der fünf großen Investmentbanken an der Wall Street haben jetzt ihre Ergebnisse für das abgelaufene Jahr vorgelegt. Die Bilanz ist niederschmetternd. Nur Branchenprimus Goldman Sachs hat die Finanzkrise bislang unbeschadet überstanden. Lehman Brothers konnte sich dank eines guten Risikomanagements zumindest noch in den schwarze Zahlen halten. Morgan Stanley und Bear Stearns sind dagegen auf Grund hoher Abschreibungen im Hypothekengeschäft im Schlussquartal tief ins Minus gerutscht. Das gleiche Schicksal droht auch Merrill Lynch, wenn das Brokerhaus im Januar das Quintett mit seinen Ergebnissen vervollständigt. Analysten sagen für Merrill bereits weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe voraus.

Unterm Strich hat sich die Expedition „Subprime“ nur für die Goldmänner richtig gelohnt. Lehman ist mit einem blauen Auge davon gekommen. Bei allen anderen haben die Verluste der vergangenen Monate die Gewinne in den Vorjahren aufgezehrt. Die Rechnung der Wall Street, in der Boomzeit so viel Geld zu verdienen, dass sie damit die Verluste nach dem Platzen der Immobilienblase auffangen können, ist vielleicht für einzelne Banker aufgegangen, nicht aber für die Finanzhäuser.

Nahezu alle Experten rechnen damit, dass es einige Jahre dauern wird, bis sich die Wall Street von diesem Schock erholt. Der Markt für ebenso riskante wie komplexe Kreditprodukte wie SIVs oder CDOs ist praktisch tot. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass der ewige Zyklus von Gier und Panik an der Wall Street auch durch die Subprime-Krise nicht durchbrochen wird. Die Rückkehr der Gier und damit das Comeback des Risikos ist nur eine Frage der Zeit.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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