US-Justiz
Analyse: In Gottes Hand

Bertelsmann, die Bertelsmann-Tochter Gruner & Jahr und Daimler-Chrysler – drei deutsche Firmen, die jüngst in Aufsehen erregende Prozesse vor US-Gerichten verwickelt waren oder noch sind. Jeder Fall demonstriert die Unberechenbarkeit des US-Rechtssystems.

Gruner & Jahr stritt vor einem Gericht in Manhattan mit der ehemaligen TV-Talkmasterin Rosie O’Donnell um mehr als 100 Mill. Dollar wegen angeblichen Vertragsbruchs bei einem gemeinsamen Magazinprojekt. Der für seine Ungeduld berüchtigte Richter Ira Gammerman machte kurzen Prozess und schickte die Parteien nach wenigen Verhandlungstagen nach Hause – ohne ihnen einen Cent zu geben.

Im kalifornischen Santa Barbara verteidigte sich Bertelsmann gegen die Klage von zwei ehemaligen AOL-Deutschland-Managern, die runde 3,5 Mrd. Dollar forderten. Mehr als zwei Monate lang paradierten vor Richter James Brown und den zwölf Geschworenen Top- Manager aus den Zeiten des Internetbooms. Sie sagten übereinstimmend aus, dass es für die Forderungen keinerlei Basis gebe. Unbeeindruckt sprach das Gericht den beiden Klägern am Ende 206 Mill. Dollar zu.

Daimler-Chrysler schließlich verteidigt sich vor einem Gericht in Delaware gegen den Spielcasino-König Kirk Kerkorian aus Las Vegas, seinerzeit Großaktionär von Chrysler. Dieser fordert die Nachzahlung von mindestens 1,2 Mrd. Dollar „Übernahmeprämie“, weil ihm die Übernahme als „Fusion unter Gleichen“ verkauft worden war. Bezirksrichter Joseph Farnan stoppte den Prozess vorübergehend, um zu klären, warum Daimlers Anwälte wichtiges Beweismaterial erst kurz vor Prozessende einreichten. Nun stellt sich die Frage, ob es sich der Richter einfach macht und Kerkorian zubilligen wird, was der Konzern anderen klagenden US-Aktionären in einem Vergleich zahlte: rund 52 Cent pro Anteil. Dann würde der 86 Jahre alte Milliardär immerhin noch fast 50 Mill. Dollar erhalten.

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