US-Konjunktur
Amerika bereitet die nächste Krise vor

Zur Begeisterung einiger Ökonomen steigt in den USA die Vergabe von Konsumkrediten wieder. Es scheint, als habe „der Amerikaner“ wenig aus der Krise gelernt. Denn auch dieser Aufschwung ist wieder nur geborgt.
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New YorkAls Europäer steht man daneben und kommt aus dem Staunen kaum mehr raus: Amerika feiert die wieder steigende Kreditaufnahme seiner Konsumenten, deren Gesamtverschuldung auf dem besten Wege ist, das Rekordniveau von 2008 zu überbieten. „Wow! Der zweite monatliche Anstieg in Folge“, triumphierte das angesehene Wirtschaftsforschungsinstitut IHS Global nach den jüngsten Daten aus dem Dezember. Da wird einem doch mulmig bei dem Gedanken, dass ausgerechnet dort, wo die Finanzkrise ihren Ausgang nahm, wieder mit dem Feuer gespielt wird.

Je höher die Verschuldung der Haushalte, desto anfälliger sind sie für plötzliche Krisen. Mit anderen Worten: Wer in normalen Zeiten am Rande seiner Möglichkeiten operiert, der rutscht bei der kleinsten Kleinigkeit in die Insolvenz oder kann seine Kredite nicht mehr bezahlen. Und was dann folgt, haben wir in der Finanzkrise beobachtet. Notleidende Kredite in großer Zahl können ein Finanzsystem in den Grundfesten erschüttern.

Daher stellt sich die Frage: Erleben wir hier eine Neuauflage des amerikanischen Wunders oder der amerikanischen Unvernunft? Die Antwort lautet: Wir erleben beides. Auf kurze Frist, für die nächsten paar Monate und Jahre, wird es wie ein Wunder aussehen. Aber dieses Wunder trägt schon den Keim der nächsten Krise in sich.

Zunächst die Fakten: Das Volumen der ausstehenden Kredite ist in den USA im Dezember nach Daten der US-Notenbank um 19,31 Milliarden Dollar auf 2,5 Billionen Dollar gestiegen und nähert sich damit dem Rekord von 2,581 Billionen Dollar aus dem Sommer 2008. Zur Erinnerung: Im Herbst 2008 brach die Finanzkrise mit dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers aus. Haupttreiber hinter der Wiederverschuldung sind nun Autokäufe und Studienfinanzierungen, aber auch Kreditkartendarlehen.

Was spricht für ein neues amerikanisches Wunder? Ursache der neuen Kauflust ist vor allem die lockere Geldpolitik der US-Notenbank (Fed). Die Banken nutzen die günstigen Leitzinsen endlich, um mehr Kredite zu vergeben. Gleichzeitig fassen die US-Bürger wieder Vertrauen in die wirtschaftliche Zukunft und horten ihr Geld nicht mehr bedingungslos. Dafür spricht auch die zuletzt wieder deutlich gesunkene Sparquote. Das kann zu einem sich selbst verfestigenden Aufschwung führen, etwa weil die von höheren Absatzzahlen profitierenden Autobauer stillgelegte Werke wieder eröffnen und mehr Leute einstellen. Und genau das passiert im Moment. Hält der Trend, dürfte das Wachstum in den USA in diesem Jahr über den bislang erwarteten gut zwei Prozent liegen. Schließlich hängt die Wirtschaftsleistung in den USA weiterhin zu gut 70 Prozent am privaten Konsum.

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Kommentare zu " US-Konjunktur: Amerika bereitet die nächste Krise vor"

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  • Meine Herren, der Zusammenbruch des amerikanischen Hypothekenmarktes hat doch eindrucksvoll beweisen, daß Ihre These so nicht zutrifft.

    Letzendlich haben doch selbst die Konsumentenkredite nicht mehr ausgereicht um die Hypothekenzinsen zu bezahlen. Das war doch zunächst nur eine Umschichtung die dann zum Kollaps des gesamten Marktes führte der mit staatlichen Mitteln vorübergehend stabilisiert wurde. Weder die privaten Kreditnehmer noch der gesamte US-Staat hat sich von dieser katastrophalen Fehlentwicklung bislang erholt und ausschließlich die desaströse Notenbankpolitik der FED hält den Patienten künstlich im Koma anstatt seinen Tod bekanntzugeben.

    Im Staat Kalifornien sind mehr als 60 % der Hypothekendarlehen von den beiden großen staatlichen Banken Fannie Mae und Freddie Mac herausgelegt - rd. 1 Million der Darlehen sind notleidend und die Hauspreise liegen weit unterhalb der Darlehensstände. Wer glauben Sie haftet bei einer staatlichen Einrichtung für Kreditausfälle ? Stimmt, die Chinesen, denn die sind mit $ 1 Billion größter Kreditgeber dieses ganzen privaten Konsumrausches der von strukturellen Problemen ablenken hilft.

    Die USA ist am Ende, wirtschaftlich, politisch und moralisch und kann beim besten Willen nicht mehr als Rollenvorbild dienen. Ein festhalten an Althergebrachtem wird die globalen Verwerfungen noch intensivieren und insoweit gebe ich Ihnen Recht, das Beispiel Griechenland hätte mit den jetzigen Ausmassen niemals Schule machen dürfen. Denn ein Staat, der seiner sozialen Verantwortung mangels finanzieller Mittel nicht mehr gerecht werden kann, schwächt sich so von innen heraus zusätzlich.

  • Trifft den Nagel auf den kopf. in den USA wird das Geld in den privaten Konsum gesteckt - in Europa in den staatlichen. Mit den ganzen Folgen die sich uns nun nach und nach offenbaren. Da werden billige Kredite der Notenbanken unter Umgehung jeglicher Sicherheiten zur Finanzierung einer Staatshydra missbraucht. Wieso glauben eigentlich die Europäer - und insbesondere die Deutschen immer, daß der Staat der bessere Konsument ist ?

  • Och, die Abkoppelung machen die Amis gerade selbst vor:

    - Google tritt als neuer Konkurrent gegen Appel an
    - Facebook tritt in Konkurrenz gegen Google+
    - Microsoft ist jetzt mit Bing gegen Google gut aufgestellt und
    - Amazon hat schon heute eine sehr heftige Konkurrenz aus Asien zu verzeichnen, die sich gerade in Deutschland für EMEA positioniert und im Heimatmarkt sehr erfolgreich ist.

    Es sieht nach einer Internetblase in den USA aus. Diese amerikanischen Unternehmen machen sich den Markt mit ihren Konkurrenzprodukten zur Hölle und die Folge wird ein Preisverfall sein.

    Auch dann wenn die Amis im Internetsektor neue Märkte erschließen können, dann nur mit Preisverfall.

    Schaut euch HP an, schaut euch Yahoo an. Diese Unternehmen sind bereits auf der Verliererseite im Konkurrenzkampf um den Konsum.

    Die nächste Krise in den USA kommt vielleicht als Internetblase daher. Dann reden wird aber auch wieder über eine Bankenkrise als Reflex.

    Über den Emissionspreis von Facebook kann ich deshalb nur schmunzeln. Ein so neuer Markt ist das Internet wirklich nicht mehr. Facebook tut ja gerade so als sein man ohne Konkurrenz im Internet. Die Wachstumszahlen von Facebook sind nicht beeindruckend, wenn man den bevorstehenden Preisverfall im Anzeigenmarkt beobachtet. Bei Google sind die cpc schon gefallen und das geht so weiter - auch bei Facebook.

    Der avisierte Preis von Facebookanteilen spricht dafür, dass im Markt zuviel überflüssiges Geld ist und nicht für den Wert von Facebook.

    Die amerikanische Wirtschaft wird aufgrund ihrer zu starken Ausrichtung auf den Kleinkonsum das Schicksal ihrer Verbraucher teilen und damit wieder als erste Nation und wie bisher auch tiefer als alle anderen in die nächste Krise fahren.

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