US-Präsident besucht China
Xi gegen Trump - 1:0

Donald Trump hat das künftige US-Handelsdefizit mit seinem Besuch in China reduziert. Trotzdem geht der chinesische Präsident Xi Jinping als klarer Sieger aus diesem Treffen hervor. Ein Kommentar.
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PekingDonald Trump hat das bekommen, was er wollte: Die unterzeichneten Deals zwischen China und den USA sind stolze 253 Milliarden US-Dollar wert. Laut dem amerikanischen Nachrichtensender CNN glauben 68 Prozent der Wähler, die amerikanische Wirtschaft sei in einer guten Verfassung. Das sind fast zehn Prozent mehr als zu Trumps Amtsantritt. Und der chinesische Staatspräsident Xi Jinping bestärkte in seiner Presseansprache Chinas Willen, gemeinsam mit den USA an der Denuklearisierung Nordkoreas zu arbeiten.

Auch persönlich badet Trump im Glanze des Besuches: Man habe eine gute Chemie miteinander. Statt bloße „25 bis 30 Minuten lang“ das Abendessen in der Verbotenen Stadt einzunehmen, hat man sich doch tatsächlich am Ende „mindestens zwei Stunden“ Zeit genommen. Auf Twitter hat er ein Bild von AFP retweetet, das ihn, seine Ehefrau Melania, Xi Jinping und dessen Ehefrau von hinten zeigt. Die Unterschrift: „Macht und Geschichte“. Er wurde hofiert wie ein Kaiser.

Oder wie jemand, von dem man weiß, dass ihm Schein wichtiger als Sein ist. Denn wenn man sich die sogenannten Deals genauer anschaut, dann bestätigten sie genau die Befürchtungen, die viele Analysten im Vorfeld geäußert hatten: Sie sind leere PR-Siege, ohne wirkliche Substanz dahinter.

Man nehme zum Beispiel das Flüssigerdgas-Projekt im Wert von 43 Milliarden US-Dollar zwischen dem Bundesstaat Alaska, der Alaska Gasline Development Corporation, dem chinesischen Öl-Konzern Sinopec, der China Investment Corp und der Bank of China. Wenn es wirklich zustande käme, könnte das momentane Handelsdefizit zwischen den USA und China um bis zu zehn Milliarden US-Dollar verringert werden. Aber das wichtige Wort ist „wenn“. Denn was unterzeichnet wurde, waren nicht Verträge sondern Memoranden, mit denen alle Seiten ausdrücken, dass man guten Willens sei. Ob die Intention dann auch Wirklichkeit wird, ist noch viele Jahre und Verhandlungen weit weg.

Das gleiche gilt auch für Qualcomm, den amerikanischen Halbleiterhersteller, der auch einen potenziellen Zwölf-Milliarden-Dollar Deal „feiern“ kann, weil er drei nicht-bindende Memoranden unterzeichnet hat. Noch haben die chinesischen Smartphone-Hersteller Xiaomi, Oppo und Vivo keine Komponenten-Bestellungen für die nächsten drei Jahre getätigt und bestätigt; sie haben bloß öffentlich gesagt, dass sie es gerne machen würden.  

Ebenso hat  Xi öffentlich auch noch einmal bekräftigt, dass man wie Amerika die „friedliche Denuklearisierung Nordkoreas“ wolle. In Trumps Ohren mag das danach klingen, dass Peking mehr Druck auf Nordkoreas Machthaber Kim ausüben wolle. Tatsächlich bedeutet es, dass sich nichts ändern wird. Denn Xi musste keine konkreten Maßnahmen versprechen oder seine Rhetorik eskalieren, um sich stärker gegen Kim Jong Un zu stellen.

Das Gleiche gilt für die ewige Frage nach mehr Marktzugang und den völlig abgeriegelten Bereichen im Technologie- und Digitalsektor. Xi kann weiterhin seinen guten Willen bekunden, ohne einen Fingerbreit von seiner Linie zu weichen und kann die Zeit für sich arbeiten zu lassen. Galten chinesische Investitionen in amerikanisches Flüssigerdgas noch als verbotene Zone unter Obamas Administration, weil sie von strategischer Bedeutung sind, ist die Öffnung des Energiesektors das Herzstück der Trump-Reise nach China.

So also lächelt Xi gutmütig, während Trump ihm mit dem Ausdruck eines braven Schuljungen sagt: „Ich klage China nicht an. Wer kann einem Land böse sein, weil er ein anderes Land ausnutzen kann, um seinem eigenen Volk zu helfen?“ Tatsächlich. Wer kann Xi böse sein, weil er Trump ausnutzen kann, um Chinas Position in der Welt zu stärken? 

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