US-Truppen im Irak
Kommentar: Abzug – welcher Abzug?

In der Debatte über einen möglichen Abzug der US-Truppen aus dem Irak wird in Deutschland jedes Wort aus Washington auf die Goldwaage gelegt. Die US-kritische deutsche Öffentlichkeit scheint das fast noch stärker zu interessieren als die Amerikaner selbst, deren Kinder ihre Haut hinhalten und auf ein Ende des Alptraums hoffen.
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Nach Äußerungen von George W. Bush und seinem Oberbefehlshaber im Irak heißt es jetzt, die Amerikaner bereiteten den Abzug vor. Unsinn – es geht nur um eine turnusmäßige Reduzierung. Alles andere wäre auch ein großer Fehler.

Der Präsident hatte bei seinem Kurzbesuch im Irak nur von dem möglichen Beginn einer Reduzierung der 164 000 Soldaten gesprochen. Das präzisierte General David Petraeus jetzt, der in der kommenden Woche dem US-Kongress eine Bilanz vorlegen muss. Rund 30 000 Soldaten hatten die USA zusätzlich entsandt, um den Widerstand endlich eingrenzen zu können. Um dafür genug Truppen zu mobilisieren hatte die Dienstzeit im Irak bereits von 15 auf 18 Monate erhöht werden müssen. Von vorneherein war geplant, diese Aufstockung ab April 2008 schrittweise auslaufen zu lassen. Und eben das kündigt Petraeus nun an, verbunden mit einem Hinweis, dass die US-Armee mit den Kriegen in Afghanistan und Irak bereits überlastet ist. Eine dauerhafte Präsenz von 164 000 Soldaten ist daher gar nicht zu leisten.

Ähnlich voreilig war die Aufregung über den angeblichen Abzug der Briten aus Basra. Tatsächlich haben die britischen Truppen nur die Verantwortung an die Irakis abgegeben und sich in eine Basis außerhalb der Stadt zurückgezogen. Seine rund 5000 Soldaten blieben auf absehbare Zeit im Irak, stellt Premier Gordon Brown klar.

Vom Abzug der beiden Alliierten kann also überhaupt nicht die Rede sein. Dafür gibt es auch gar keine Basis. Denn trotz einiger regionaler Fortschritte und einer verbesserten Stimmung innerhalb des US-Militärs hält der Bürgerkrieg an, kann von einer Aussöhnung der Schiiten und Sunniten, gar von politischer Stabilisierung und Wiederaufbau kann keine Rede sein. Die Invasion im Irak war ein schwerer Fehler – aber ein voreiliger Abzug würde das Desaster nur noch vergrößern.

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik

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