US-Vorwahlen: Kerrys harter Kampf

US-Vorwahlen
Kerrys harter Kampf

John Kerry hat bei den Vorwahlen triumphiert, weil ihm die Demokraten am ehesten zutrauen, die Schlacht gegen Bush zu gewinnen. Seine Aura als hoch dekorierter Vietnam-Veteran verleiht Kerry jene Portion Härte, die in Amerika nach dem 11. September verlangt wird.

Die Würfel sind gefallen: John Kerry ist der Herausforderer von George W. Bush bei den US-Präsidentschaftswahlen im Herbst. Der 60-jährige Senator hat bei den Vorwahlen triumphiert, weil ihm die Demokraten am ehesten zutrauen, die Schlacht gegen Bush zu gewinnen. Seine Aura als hoch dekorierter Vietnam-Veteran verleiht Kerry jene Portion Härte, die in Amerika nach dem 11. September verlangt wird.

Die Opposition wittert eine Siegeschance, weil Bush in den letzten zwei Monaten politisch waidwund war wie nie während seiner Präsidentschaft. Die nicht gefundenen Massenvernichtungswaffen im Irak kratzten an seiner Glaubwürdigkeit. Die hastig wieder eingesammelten Versprechen über die Schaffung neuer Jobs sorgten für einen weiteren Imageverlust.

Dennoch sollte man Kerrys Durchmarsch nicht überbewerten. Er hat sich bislang nur bei den Demokraten durchgesetzt. Ob er hingegen auch in der Mitte punkten kann, wo Wahlen entschieden werden, muss er erst noch beweisen.

Mit seiner Kritik an der Verlagerung von Arbeitsplätzen der Industrie und des Dienstleistungsbereichs ins Ausland hat Kerry den Nerv vieler Amerikaner getroffen. Doch die populäre Beschreibung eines Problems reicht nicht aus. Kerry hat noch kein Konzept dafür geliefert, wie er die Unternehmen dazu bewegen will, verstärkt Leute einzustellen.

Auch mit Blick auf das galoppierende Haushaltsdefizit hat der Kandidat bisher nur Ankündigungspolitik betrieben. Zudem ist er den Beweis schuldig geblieben, wie er die massive Steuerentlastung für die Mittelklasse bezahlen will, mit der er wirbt. In der Außenpolitik hat sich Kerry ebenfalls in Vorwürfe gegen Bush verbissen, ohne eigene Perspektiven vorzulegen. So ist nicht klar, wie seine Marschroute für den Wiederaufbau des Iraks aussieht.

Doch selbst wenn Kerry seine noch luftigen Vorstellungen mit überzeugenden Inhalten füllt, ist der Erfolg nicht garantiert. Sollte die US-Wirtschaft weiter unter Dampf stehen und die Produktivität gleichzeitig abflachen, hätten die Firmen mehr Anreize für Einstellungen. Das wäre für Bush der ersehnte Befreiungsschlag – und Wahlen sind in erster Linie Abstimmungen über die Zufriedenheit mit dem Amtsinhaber.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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