US-Vorwahlen
Unberechenbar

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John McCain hat mit Vorwürfen der New York Times zu kämpfen. Die Behauptung, der Kandidat der Republikaner habe eine Romanze mit einer Lobbyistin gehabt und von deren Kunden Geld für seinen Wahlkampf im Jahr 2000 genommen, hat Gewicht – falls sie stimmt. Ein Bundesgesetz für eine saubere Wahlkampffinanzierung trägt seinen Namen.

Das Problem ist: Die Quellen, die die Times zitiert, sind anonym. Zudem stellt sich die Frage, warum die Veröffentlichung monatelang in den Redaktionsschubladen unter Verschluss blieb, wenn sie wirklich so brandheiß gewesen ist. Da gibt es noch viele Ungereimtheiten.

Den Times-Artikel jedoch umgekehrt als Auftakt zu einer „Schmierenkampagne“ abzutun wäre unsinnig. Denn auch wenn die Zeitung aus New York eher den Demokraten zuneigt – sie steht nicht im Verdacht, einen Anti-McCain-Kurs zu fahren. Vielmehr hatte sie noch vor Wochen ihren Lesern den Senator aus Arizona als besten republikanischen Kandidaten empfohlen. Zudem: Hätte sie McCain wirklich schaden wollen, dann wäre sie mit dem Artikel bereits zum Auftakt des Vorwahlkampfes im Januar an die Öffentlichkeit gegangen. Inzwischen steht McCain als republikanischer Präsidentschaftskandidat jedoch praktisch fest. Daran ändert auch diese Veröffentlichung nichts.

Was die Vorwürfe gegen McCain jedoch bei vielen Republikanern auslösen, ist ein Unbehagen über den Kandidaten der Konservativen ganz allgemein. Denn das, was McCain durchaus sympathisch macht, seine direkte und unkonventionelle Art, ist gleichzeitig auch seine Achillesferse. Nie kann man sich bei ihm völlig sicher sein, was war, was ist oder was noch kommt. Bis zum Wahltermin im November ist daher noch mit vielen Überraschungen zu rechnen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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