US-Wahlkampf: Analyse: Die Clinton-Masche

US-Wahlkampf
Analyse: Die Clinton-Masche

Es dürfte ein eher frostiges Telefongespräch gewesen sein, das Edward Kennedy und Bill Clinton am vergangenen Sonntag miteinander führten.
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Der 75-jährige Senator aus Massachusetts, letzter der drei Kennedy-Brüder und eine Instanz in der demokratischen Partei, hatte darin dem Ex-Präsidenten eröffnet, dass er nicht dessen Frau Hillary, sondern Barack Obama unterstützen werde. Und dies nicht nur hinter verschlossenen Türen, sondern ganz öffentlich bereits am nächsten Tag auf einer Großveranstaltung in der US-Hauptstadt Washington.

Wochenlang hatten die Clintons Kennedy gedrängt, im Wahlkampf neutral zu bleiben. Doch Ted Kennedy hat sich anders entschieden. Und er hatte seine Gründe dafür. Denn ebendas, was Kennedy zu einem Votum gegen das demokratische Establishment bringt, ist auch das, was viele Liberale in diesen Wochen bewegt. Die Partei und ihre Anhänger durchzieht mit jeder weiteren Wahlkampfwoche ein stetig sichtbarer werdender Riss.

Tatsächlich ist die Entscheidung für oder gegen Hillary oder Obama nicht mehr nur eine Entscheidung über die beste Kandidatin, den besten Kandidaten. Es geht zunehmend mehr um einen grundsätzlichen Politikansatz. Barack Obama hatte dies bei seiner Rede nach dem Erdrutschsieg in South Carolina auf die Formel „Zukunft oder Vergangenheit“ gebracht. Und wirklich drängt in diesen Wahlkampfwochen immer mehr die Vergangenheit nach vorn, allerdings sind es die eher negativen Erinnerungen an die Clinton-Präsidentschaft. Und wer erheblich hierzu beiträgt, ist der Ex-Präsident selbst: Bill Clinton.

Clinton, inzwischen 61 Jahre alt, wird regelmäßig von seinem politischen Ego davongetragen, wenn er auf öffentlicher Bühne steht. Bill redet gern und ausführlich, dabei am liebsten über sich und seine Leistungen während seiner Präsidentschaft, er liebt die Pointen, die fein gesetzten Spitzen. Und er weiß die Nadelstiche so geschickt zu platzieren, dass sie viel Raum für Interpretation lassen. Etwa, wenn er zuerst Obama lobt, dann aber beiläufig erwähnt, dass in South Carolina schon früher ein schwarzer demokratischer Präsidentschaftskandidat gewonnen habe, Reverend Jesse Jackson. Was er nicht erwähnt, aber jeder weiß: Jackson hatte zwar zweimal, 1984 und 1988, South Carolina gewonnen, aber die Nominierung jeweils verloren.

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