US-Wahlkampf
Zeit der Strategen

Während die Republikaner derzeit durch den kometenhaften Aufstieg von Mike Huckabee kräftig durchgeschüttelt werden und erst noch um einen klaren Frontmann ringen, läuft es bei den Demokraten auf einen Zweikampf zwischen Hillary Clinton und Barack Obama hinaus.
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Jetzt, kurz vor den ersten Vorwahlen in Iowa, steht es im Zentrum des Wettstreits der Bewerber um das Ticket für das Weiße Haus. Die Abstände der Spitzenkandidaten in beiden großen politischen Lagern sind so eng geworden, dass sich alleine mit den inhaltlichen Konzepten zum Irak, zur Reform des Gesundheitswesens, zur Einwanderung oder der Steuerpolitik die Wahl nicht mehr entscheiden lässt. Das ultimative Argument für oder gegen einen Kandidaten sind nun dessen Siegchancen über den gegnerischen Spitzenbewerber.

Während die Republikaner derzeit durch den kometenhaften Aufstieg von Mike Huckabee kräftig durchgeschüttelt werden und erst noch um einen klaren Frontmann ringen, läuft es bei den Demokraten auf einen Zweikampf zwischen Hillary Clinton und Barack Obama hinaus. Clinton hat es dabei in ihrer bisherigen Kampagne nicht vermocht, das Bild von der stark polarisierenden Kandidatin im Kern zu verändern. Die ehemalige First Lady gilt als machtverliebt, gefühlskalt, als Politikerin, die ihre wahren Absichten verbirgt. Sie polarisiert die Wählerschaft nach wie vor – und stellt die Demokraten vor die Frage, ob sie mit ihr an der Spitze die Präsidentschaftswahlen im November 2008 auch tatsächlich gewinnen können.

Im eigenen Lager sind Clinton und Obama in den Sachfragen nicht zu weit voneinander entfernt. Etwa beim Thema Irak: Zwar macht hier Obama immer wieder klar, dass er – anders als Clinton – von Anfang an gegen den Krieg gewesen sei, auch fordert er ein Signal, dass die US-Truppen nicht langfristig im Irak bleiben könnten. Doch räumt er ebenfalls ein, dass dies schnell nicht praktikabel sein dürfte. In der Realität wird sich deshalb die Irak-Politik eines Präsidenten Obama von der einer Präsidentin Clinton nicht allzu sehr unterscheiden.

Gleiches gilt für andere Wahlkampfthemen: Beide sind für Umweltschutz und fordern von der Automobilindustrie eine höhere Effizienz des Spriteinsatzes. Beide wollen die massiven Steuergeschenke für Unternehmen und Wohlhabende zurückschrauben, die es unter George W. Bush gegeben hat. Beide versprechen eine Reform des Systems der Krankenversicherung. Da sie jedoch in den Grundzügen in die gleiche Richtung wollen, streiten sie sich über Details. Das wirkt häufig gekünstelt und aufgebauscht.

Um sich zu unterscheiden, fokussiert sich deshalb der Wahlkampf auf die Persönlichkeit der Kandidaten und das, was sie vermeintlich verkörpern. Hillary Clinton führt für sich ins Feld, dass alleine sie Profi genug sei, um sich gegen die „attack-machine“ der Republikaner behaupten zu können. Wieder und wieder verweist sie auf die „Narben“, die sie sich in vergangenen Konflikten zugezogen habe, die sie jedoch für das harte politische Geschäft in Washington gestählt hätten. Barack Obama, viel zu weich und zu höflich, sei gerade einmal „snack food“ für die Republikaner, zitiert „Newsweek“ einen anonymen Clinton-Strategen. Deshalb müsse der Kandidat schon aus härterem Holz geschnitzt sein.

Das Obama-Team wendet eine ähnliche Strategie an, indem es Hillary Clintons Abgebrühtheit und enge Verflechtung mit dem Politikbetrieb in Washington als ihren größten Nachteil beschreibt. Sie treibe einen Keil in die Gesellschaft, sagt Obamas Kampagnen-Chef. Der Trick dabei ist, die Stärken des jeweiligen Gegners zu Schwächen zu erklären. Wer über Gräben die Hand reichen will, ist weich und naiv; wer kühl-professionell auftritt, ein Spalter.

Bei der Gegenüberstellung von Erfahrung gegen Wandel – so die Etiketten für Clinton und Obama – hat indes Clinton den Trend gegen sich. Denn es existiert nicht nur bei den Demokraten eine große Wechselstimmung. 75 Prozent der Amerikaner haben kürzlich erklärt, sie glaubten, dass die USA auf dem falschen Weg seien. Die Obama-Strategie, Clinton als Fortsetzung des Washingtoner Establishments zu porträtieren, fällt daher auf durchaus fruchtbaren Boden. Zudem muss Hillary Clinton gegen eine oft erprobte Übung ihrer Demokraten ankämpfen: Denn dort hat man sich in der Vergangenheit gerne für den frischen, charismatischen Kandidaten entschieden.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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