US-Wirtschaft
Im Kern gesund

Eine Welle schlechter Unternehmensnachrichten rollt über die USA hinweg: Innerhalb weniger Tage haben nicht weniger als vier Fluggesellschaften Insolvenz angemeldet. Die Umsätze der Auto- und Einzelhändler brechen regelrecht ein, die Verbraucherstimmung ist so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
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Ausgerechnet General Electric, das Kraftwerk der US-Industrie, verschreckte auch noch die letzten Optimisten: Der größte Mischkonzern der Welt, der für seine Widerstandsfähigkeit in schlechten Zeiten bekannt ist und Gewinnschätzungen seit Jahren wie ein Schweizer Uhrwerk zu erreichen pflegt, hat die Erwartungen der Analysten verfehlt und eine massive Gewinnwarnung für das Gesamtjahr 2008 ausgesprochen.

Kann es noch schlimmer kommen? Sind das Nachrichten, die wir aus dem Drehbuch früherer Rezessionen kennen? Die Nachfrage schwächt sich ab, der Verbraucher beginnt zu sparen – und in seiner Folge die Unternehmen. Oder steckt hinter diesem scharfen Abschwung mehr, möglicherweise ein langfristiger Bedeutungsverlust der größten Volkswirtschaft der Welt?

Zweifellos werden zahlreiche US-Unternehmen von der Finanzkrise, die jetzt unweigerlich in eine Krise der realen Wirtschaft ausufert, schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Banken an erster Stelle, aber auch der gesamte Handel, die klassische Industrie sowie die ohnehin chronisch kranken Autokonzerne und Fluglinien. Diese Bereiche prägen seit Monaten das Bild der US-Wirtschaft. Es ist ein Bild voller Pannen, das gerade um die ersten prominenteren Pleiten ergänzt wird. Dass sich dahinter ein gesunder Kern von Unternehmen und Branchen versteckt, wird in einer Phase, in der die Angst regiert, gerne ausgeblendet.

Wer das jüngste Ergebnis von General Electric (GE) unter die Lupe nimmt, macht die beiden Finanzsparten des Konzerns – und damit die Nähe zum Banken-Desaster – als Hauptverursacher des überraschenden Ergebnisrückgangs aus. In der wichtigsten GE-Sparte Infrastruktur, die vor allem Flugzeugturbinen, Lokomotiven und Kraftwerke in alle Welt liefert, kletterte der Gewinn indes um weitere 17 Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar. Das Zahlenwerk von GE weist den Weg, den die US-Wirtschaft in den nächsten Monaten einschlagen wird. Weil der heimische Absatzmarkt bis auf weiteres reichlich Enttäuschungspotenzial bietet, insbesondere im Verbrauchersegment, suchen die Firmen ihr Heil im Ausland. Diese Strategie – das wird mit jedem Monat deutlicher – verfolgt „Corporate America“ inzwischen so konsequent wie nie zuvor.

Die relative Unaufgeregtheit vieler US-Firmenchefs ist dadurch zu erklären, dass sie in Übersee bereits die ein oder andere Erfolgsgeschichte schreiben, wenn auch bisher unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Konzerne wie Coca-Cola, Intel, Texas Instruments oder Colgate-Palmolive erzielen heute mehr als 70 Prozent ihres Umsatzes außerhalb Nordamerikas. Sie sind damit weniger abhängig vom US-Geschäft als etwa ein deutscher Konzern wie Adidas (mit Reebok). Die jährlichen Auslandserlöse von Konzernen wie Exxon Mobil, Chevron, Wal-Mart, GE, Ford und General Motors liegen allesamt bereits über der Marke von 80

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

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