US-Zinsen
Die Party ist zu Ende

Alan Greenspan hat es zwar nicht so deutlich gesagt. Notenbanker scheuen meist klare Worte. Die Botschaft des mächtigsten Geldpolitikers der Welt ist jedoch unmissverständlich: Die Zeit des billigen Geldes in Amerika geht zu Ende. Selbst wenn die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) mit ihrer ersten Zinserhöhung noch mehrere Monate warten wird. Die Vertreibung aus dem Paradies hat begonnen. Die mittel- und langfristigen Zinsen sind in Erwartung des Unvermeidlichen bereits kräftig gestiegen. Will Fed-Chef Greenspan nicht seine Glaubwürdigkeit als Hüter der Geldwertstabilität verlieren, muss er mit den Leitzinsen eher früher als später nachziehen.

Für Amerika endet damit eines der wohl größten Konjunkturprogramme, die es je gegeben hat. Seit Januar 2001 hat die US-Notenbank in 13 mächtigen Schritten die Kreditkosten heruntergeschraubt. Seit Juni letzten Jahres steht der Zins-satz bei einem Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit 46 Jahren. Die realwirtschaftlichen Wirkungen dieser Liquiditätsspritze sind zwischenzeitlich bezweifelt worden. Hat die US-Wirtschaft doch lange gebraucht, um sich vom geplatzten Boom der 90er-Jahre zu erholen. Am Ende jedoch hat sich wieder einmal ein alter Spruch an der Wall Street bewahrheitet: „Wette nicht gegen die Fed.“

Weite Teile der amerikanischen Wirtschaft haben die helfende Hand von Alan Greenspan ergriffen und verdanken ihr heutiges Wohlbefinden seiner geldpolitischen Großzügigkeit. Sichtbar wird das zum Beispiel in der amerikanischen Autoindustrie, die ihren Absatz jahrelang mit zinslosen Krediten angekurbelt hat. Die Hausbesitzer und Konsumenten haben die überaus günstigen Finanzierungskonditionen genutzt, um sich reich zu rechnen und auf Pump zu konsumieren.

Auch die Weltwirtschaft wäre heute schlechter dran, wenn nicht die Fed die Konjunkturlokomotive USA unter Dampf gehalten hätte. Mit einem Wirtschaftswachstum von vermutlich mehr als vier Prozent wird Amerika auch in diesem Jahr den Rest der Welt hinter sich herziehen. Die Zinswende sollte insbesondere uns Europäer daran erinnern, dass die Weltkonjunktur nicht dauerhaft davon abhängen kann, dass sich die Amerikaner um Kopf und Kragen konsumieren.

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