US-Zinsen
Halbherzige Hilfe

Mit ihrer Leitzinssenkung hat die US-Notenbank längst nicht alle Wünsche erfüllt. Die Finanzmärkte reagierten trotz der dritten Liquiditätsspritze in Folge sauer auf die ihrer Meinung nach zu magere Hilfe. Doch die knappe Leitzinssenkung ist nicht das eigentliche Versäumnis der Notenbanker. Ein Kommentar von Torsten Riecke .
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Die amerikanische Notenbank hat am Dienstag zwar die Leitzinsen erwartungsgemäß gesenkt, dabei aber nicht alle Wünsche erfüllt. Die Finanzmärkte reagierten trotz der dritten Liquiditätsspritze in Folge sauer auf die ihrer Meinung nach zu magere Hilfe der Zentralbank. Viele Händler hatten darauf gehofft, dass Fed-Chef Ben Bernanke und seine Kollegen das Zinsniveau noch einmal um einen halben Prozentpunkt drücken würden.

Die eigentliche Enttäuschung ist jedoch nicht, dass es bei der letzten Notenbank-Sitzung des Jahres nur bei einem Viertelprozentpunkt geblieben ist. Versäumt haben die Notenbanker vielmehr die Chance, die Kreditklemme mit einer mutigeren Diskontsenkung zu lockern. Anders als der Leitzins, mit dem die Fed indirekt das Tagesgeld unter den Banken steuert, kann sie mit dem Diskontsatz den Kreditinstituten direkt Liquidität zur Verfügung stellen.

Bislang machen die Banken davon jedoch nur wenig Gebrauch, da die Inanspruchnahme des Diskontfensters immer noch den Makel einer Verzweiflungstat trägt. Mit einer beherzten Kürzung der Diskontrate hätten Bernanke & Co. jedoch die Differenz zum Leitzins verringern und den Banken einen Ausweg aus der Liquiditätsklemme weisen können. So erscheint die Aktion der Notenbanker halbherzig.

Anders als Ende Oktober hat die Fed diesmal jedoch die Tür für weitere Zinssenkungen offen gelassen. Ökonomen rechnen bereits jetzt damit, dass die Leitzinsen im neuen Jahr auf drei Prozent sinken werden. Ob damit die Kreditkrise bewältigt werden kann, ist höchst fraglich. Das wissen auch die Notenbanker. Sie haben sich dafür entschieden, zumindest die möglichen Folgen für den Rest der Wirtschaft zu mildern. Auch auf die Gefahr hin, dass sie damit einer neuen Spekulationsblase den Boden bereiten.

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