USA _ Großbritannien
Der neue Freund

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Vier Wochen nach seinem Amtsantritt beginnt für Gordon Browns Außenpolitik die realistische Phase. Der Antrittsbesuch in Camp David wurde vorgezogen, munkelt man. Vielleicht wollte der britische Premier noch etwas länger die kalte Schulter statt des engen Schulterschlusses proben, weil das seiner Popularität nützlich schien. Aber dann wurde das Presseecho auf diese kleinen Trotzmanöver doch zu hysterisch. Vor allem die Ernennung eines erklärten Gegners von US-Präsident George W. Bush zum Staatsminister im Londoner Außenministerium sorgte in Washington für Irritationen. Aber nun unterstrich Außenminister David Miliband, dass sich der ehemalige Uno-Diplomat Malloch Brown nur mit Afrika befassen dürfe. Und Brown versicherte, Großbritannien habe keine wichtigeren Verbündeten als die USA, und die Beziehung werde „noch stärker“.

In der vergangenen Woche beschlossenen die Briten den Bau von zwei gigantischen Flugzeugträgern. Mit ihnen werden sie weltweit zum einzig ernst zu nehmenden Militärpartner der USA. In Nordengland dürfen die Amerikaner ihren Raketenschutzschild aufbauen. Die Rückzugsstrategie im Irak ist längst von Blair festgelegt. Brown muss sich deshalb nicht mit Bush überwerfen, nur um bei Labour-Linken ein paar Pluspunkte zu bekommen. Man wird bei diesem ersten Gipfel die Substanz und die Begleitmusik unterscheiden müssen. Nur: Die Stimmung wird anders sein als bei den Gipfeln von Bush und Blair, die im Zeichen kumpelhafter Seelenfreundschaft standen. Brown kommt mit einem anderen Zukunftshorizont: In 18 Monaten hat er es mit einem neuen US-Präsidenten zu tun. Er sucht nicht die Freundschaft Bushs. Aber die des US-Präsidenten.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

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